Kultur

Stephan Eicher hört in Déjeuner en paix noch immer die Gegenwart

Der Schweizer Musiker Stephan Eicher spricht über seinen großen Song Déjeuner en paix, dessen Unruhe ihn 35 Jahre nach der Veröffentlichung weiterhin beschäftigt. Derzeit führt ihn die Tournee zu seinem Album Poussière d'or durch…

Paris – 26.10.2026: Stephan Eicher hat über einen seiner bekanntesten Songs gesprochen, als wäre er ihm gerade erst wieder begegnet. In der Franceinfo-Sendung Le Monde d'Élodie sagte der Schweizer Sänger, Déjeuner en paix sei aktuell geblieben – und gerade das finde er verstörend. Der Titel aus dem Jahr 1991 trägt bis heute jene leise Unruhe in sich, die sich bloßer Nostalgie entzieht.

Déjeuner en paix, auf Deutsch etwa In Frieden zu Mittag essen, beschreibt einen privaten Augenblick unter dem Druck schlechter Nachrichten. Die Popmelodie bleibt leichtfüßig, während der Text die Welt draußen nicht zum Schweigen bringt. Diese Reibung machte das Lied zu einem ungewöhnlichen Erfolg: ein eingängiger Refrain ohne falschen Trost, eine alltägliche Szene mit einem Riss.

Den französischen Text schrieb Philippe Djian, die Musik stammt von Eicher. Die Zusammenarbeit des französischen Schriftstellers mit dem Musiker prägte das Album Engelberg, auf dem der Song 1991 erschien. Eicher, der sich seit Jahrzehnten zwischen Rock, elektronischer Musik und französischem Chanson bewegt, fand darin eine Form für politische Beklemmung, die ohne Parolen auskommt.

Dass ihn die fortdauernde Aktualität des Liedes irritiert, geht über die übliche Sentimentalität eines Künstlers gegenüber dem eigenen Repertoire hinaus. Die Zeilen handeln vom Wunsch, den Nachrichtenstrom für einen Augenblick auszuschalten, und von der Unmöglichkeit, dies tatsächlich zu tun. Im Alltag permanenter Benachrichtigungen klingt diese Beobachtung beinahe noch unmittelbarer als zu Beginn der neunziger Jahre. Der technische Takt hat sich beschleunigt, das Bedürfnis nach einer ungestörten Mahlzeit ist geblieben.

Der Rückblick begleitet Eicher auf seiner Frankreich-Tournee zum Album Poussière d'or. Das 2025 veröffentlichte Werk entstand erneut mit Texten von Djian und des Schweizer Schriftstellers Martin Suter. Es verbindet neue Lieder mit einer künstlerischen Haltung, die frühere Erfolge nicht als abgeschlossenes Archiv behandelt. Eichers Songs dürfen altern, ohne zu Museumsstücken zu werden.

Nach zwei Konzerten in der Halle aux Grains in Toulouse am 24. und 25. Oktober tritt Eicher am 27. Oktober 2026 im Théâtre de l'Archipel in Perpignan auf. Weitere Stationen der Tournee sind unter anderem Avignon, Caluire-et-Cuire, Annecy, Nantes, Bordeaux und Lille. Mehrere Abende sind bereits ausverkauft.

Auf dieser Reise erklingt Déjeuner en paix daher nicht bloß als Zugabe aus einem vertrauten Jahrzehnt. Das Lied bewahrt seinen kleinen, beinahe bescheidenen Wunsch nach Ruhe und lässt ihn zugleich unerfüllt. Eicher liefert damit keine umfassende Diagnose der Gegenwart. Er beschreibt eine Empfindung, die sich seit 35 Jahren hartnäckig weigert, alt zu werden.

Quellen

  • Franceinfo
  • Stephan Eicher – offizielle Tourseite
  • Astérios Künstleragentur

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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