Politik & Gesellschaft

Frühere Gesundheitsministerin Michèle Barzach ist gestorben

Michèle Barzach ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Die frühere französische Gesundheitsministerin gab der Aids-Prävention in den achtziger Jahren eine pragmatische Richtung.

Paris – 26.10.2026: Die frühere französische Gesundheits- und Familienministerin Michèle Barzach ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Die Gynäkologin gehörte von 1986 bis 1988 der Regierung von Premierminister Jacques Chirac an, während François Mitterrand Staatspräsident war. In dieser ersten Kohabitation der Fünften Republik verantwortete sie gesundheitspolitische Entscheidungen, die Frankreichs Umgang mit der Aids-Epidemie dauerhaft veränderten.

Barzach wurde 1943 in Casablanca geboren und studierte Medizin in Paris. Bevor sie in die Regierung eintrat, arbeitete sie als Gynäkologin und Psychoanalytikerin. Im März 1986 wurde sie zur beigeordneten Ministerin für Gesundheit und Familie unter Sozialminister Philippe Séguin ernannt. Ihre Amtszeit fiel in eine Phase großer Unsicherheit: Die Zahl der HIV-Infektionen stieg, wirksame Therapien gab es noch nicht, und die öffentliche Debatte war von Angst, Stigmatisierung und moralischen Vorbehalten geprägt.

Barzach setzte unter diesen Bedingungen auf Prävention und Schadensminderung. 1987 wurde Werbung für Kondome zugelassen. Zudem ermöglichte die Regierung versuchsweise den Verkauf von Spritzen ohne Rezept und ohne Erfassung der Identität. Damit sollte verhindert werden, dass Menschen beim intravenösen Drogenkonsum kontaminierte Injektionsgeräte gemeinsam benutzten. Barzach verwies in einer späteren Bilanz auf eine wachsende Bereitschaft zu freiwilligen HIV-Tests und eine stärkere Nachfrage nach Präventionsmitteln.

Die freie Abgabe von Spritzen war politisch umstritten. Kritiker befürchteten, ein leichterer Zugang könne den Drogenkonsum fördern. Der Ansatz der Ministerin folgte hingegen einer nüchternen gesundheitspolitischen Überlegung: Wenn sich der Konsum nicht unmittelbar verhindern ließ, sollte wenigstens das Infektionsrisiko sinken. Für eine konservativ geführte Regierung war diese Linie bemerkenswert. Sie trug dazu bei, den Kampf gegen Aids stärker an medizinischen Erkenntnissen und praktischer Risikominderung auszurichten.

Nach dem Ende der Kohabitation blieb Barzach zunächst in der Politik. Sie vertrat Paris in der Nationalversammlung und gehörte der gaullistischen Rechten an. Später konzentrierte sie sich zunehmend auf humanitäre Aufgaben und internationale Gesundheitsfragen. Von 2012 bis 2015 war sie Präsidentin von UNICEF Frankreich.

Dort befasste sie sich mit dem Zugang gefährdeter Kinder zu medizinischer Versorgung, Ernährung, Bildung und Schutz. Die Organisation arbeitete während ihrer Amtszeit unter anderem zu Kinderarmut in Frankreich, den Rechten unbegleiteter Minderjähriger und der weltweiten Bekämpfung von HIV bei Kindern. Barzachs Laufbahn verband damit über mehrere Jahrzehnte Medizin, Regierungsverantwortung und den Einsatz für Kinderrechte.

Quellen

  • Franceinfo
  • Vie publique
  • UNICEF Frankreich
  • Le Monde

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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