Umwelt

Nachtabschaltungen senken Fledermaussterben an Windrädern um mehr als 80 Prozent

Eine französische Studie belegt die hohe Schutzwirkung gezielter Nachtabschaltungen. Weil die Rotoren vor allem bei schwachem Wind ruhen, bleiben die Ertragseinbußen begrenzt.

Paris – 25.10.2026: Das zeitweise Abschalten von Windkraftanlagen in Nächten mit hoher Fledermausaktivität kann die Sterblichkeit der Tiere um mehr als 80 Prozent senken. Das Muséum national d'Histoire naturelle veröffentlichte die Ergebnisse am 20. Oktober. Untersucht wurde eine standortbezogene Betriebssteuerung, bei der die Rotoren nur unter Bedingungen angehalten werden, in denen Fledermäuse besonders häufig fliegen.

Das Forschungsteam des Zentrums für Ökologie und Naturschutzwissenschaften wertete Daten aus mehr als 600 französischen Windparks aus. Für den direkten Vergleich betrachteten die Wissenschaftler 38 Anlagen vor und nach der Einführung solcher Abschaltungen. Weitere 16 Windparks ohne entsprechende Schutzvorkehrung dienten als Kontrollgruppe. Die Studie erschien im Journal of Applied Ecology.

Bei Fledermausarten mit weitreichender Echoortung sank die Sterblichkeit laut Auswertung um 83 Prozent, bei Arten mit mittlerer Reichweite um 84 Prozent. Die Maßnahme wirkte damit sowohl bei Tieren, die über offenen Flächen oder oberhalb von Baumkronen fliegen, als auch bei Arten an Waldrändern und im Unterholz. Für nachtziehende Vögel ließ sich dagegen kein statistisch belastbarer Schutzeffekt nachweisen.

Die Abschaltungen werden an die örtlichen Flugbedingungen angepasst. Maßgeblich sind nach Angaben des Museums vor allem Windgeschwindigkeit und Temperatur. Fledermäuse sind nachts aktiv und fliegen häufig bei schwachem Wind, wenn Windkraftanlagen ohnehin vergleichsweise wenig Strom erzeugen. Gezielte Stillstände können die Tiere daher schützen, ohne die Stromproduktion während besonders ertragreicher Stunden zu unterbrechen.

Eine weitere, im September veröffentlichte Untersuchung erprobte Prognosemodelle, die neben Wind und Temperatur auch Niederschlag, Jahreszeit und Lebensraum berücksichtigen. Ein Algorithmus, der 90 Prozent der Fledermausaktivität erfasste, führte demnach zu jährlichen Produktionsverlusten von 3,5 bis 4,9 Prozent. Ob dieses Modell auch die tatsächliche Sterblichkeit im großflächigen Einsatz senkt, wurde bislang allerdings nicht untersucht.

Nach Angaben des Naturkundemuseums verfügt weniger als die Hälfte der französischen Windparks über zeitweise Drosselungen zum Schutz von Fledermäusen. In Frankreich stehen laut Franceinfo mehr als 10.000 Windräder; ihnen fallen demnach jährlich schätzungsweise 60.000 Fledermäuse zum Opfer. Neben direkten Kollisionen können Druckveränderungen an den Rotorblättern tödliche innere Verletzungen verursachen. Windparks können zudem Lebensräume zerschneiden und Flugwege zu Jagdgebieten beeinträchtigen.

Die Forschenden sehen Nachtabschaltungen deshalb als wirksame Schutzmaßnahme für bestehende Anlagen, nicht aber als Ersatz für eine sorgfältige Standortwahl. Wälder, Feuchtgebiete und wichtige Flugkorridore sollten nach den Empfehlungen der zuständigen Stellen möglichst schon bei der Planung gemieden werden. Für bereits laufende Windparks liefert die Untersuchung nun belastbare Vergleichsdaten zur Wirkung standortbezogener Abschaltungen.

Quellen

  • Franceinfo
  • Muséum national d'Histoire naturelle
  • Office français de la biodiversité

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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