Paris – 26.10.2026: Der frühere französische Zentralbankchef François Villeroy de Galhau hat die Regierung aufgefordert, kreative Antworten auf die seit Wochen andauernden Schülerproteste zu finden. Die Forderungen der Jugendlichen seien berechtigt, sagte er am Montag dem Radiosender France Inter. Zugleich warnte er vor den Folgen der hohen Staatsverschuldung und den geringen Spielräumen für zusätzliche Ausgaben.
Damit benannte Villeroy de Galhau den finanziellen Kern des Konflikts. Schülerinnen, Schüler und Studierende verlangen Verbesserungen bei Schulgebäuden, Unterrichtsversorgung, Studienplätzen und Hochschulzugang. Die Regierung muss darauf reagieren, ohne ihr Ziel aus den Augen zu verlieren, das öffentliche Defizit einzudämmen. Neue dauerhafte Ausgaben wären deshalb politisch wie finanziell schwer durchzusetzen, sofern an anderer Stelle keine Mittel eingespart oder zusätzliche Einnahmen erschlossen werden.
Die Protestbewegung dauert inzwischen rund einen Monat an und hat sich von einzelnen Schulen auf zahlreiche Einrichtungen im Land ausgeweitet. Schüler- und Studierendenorganisationen beklagen vor allem den Zustand von Gebäuden, Personalmangel und unzureichende Aufnahmebedingungen an den Hochschulen. Nach wochenlangen Aktionen hatte die Regierung für diesen Montag konkrete Antworten auf die Forderungen angekündigt.
Premierminister Sébastien Lecornu hatte bereits Anfang Oktober erste Entscheidungen bis zum Monatsende in Aussicht gestellt. Im Bildungsbereich stellte die Regierung unter anderem zusätzliche Lehrkräfte und Gespräche mit den Vertretungen der Jugendlichen in Aussicht. Aus Sicht der Protestierenden reichen allgemein gehaltene Zusagen jedoch nicht aus. Sie verlangen bezifferte Mittel und Maßnahmen, die den Alltag an Schulen und Universitäten tatsächlich verändern.
Villeroy de Galhaus Mahnung knüpft an seine früheren Stellungnahmen zur Lage der französischen Staatsfinanzen an. Vor seinem Ausscheiden aus der Banque de France warb er regelmäßig dafür, das Defizit schrittweise zu senken und die Schuldenquote zu stabilisieren. Eine wachsende Zinslast, so seine wiederkehrende Argumentation, bindet Haushaltsmittel, die anschließend für Bildung, soziale Aufgaben oder Investitionen fehlen. Sein Nachfolger an der Spitze der Zentralbank ist Emmanuel Moulin. Villeroy de Galhau übernahm im Juni den Vorsitz der Stiftung Apprentis d'Auteuil, die benachteiligte junge Menschen unterstützt.
Die Auseinandersetzung reicht deshalb über die Bildungspolitik hinaus. Sie berührt die Frage, welche Ausgaben Frankreich trotz hoher Schulden priorisieren kann und welche Belastungen der Staat künftigen Generationen hinterlässt. Die finanziellen Folgen möglicher Zugeständnisse sollen auch in der für den 12. November vorgesehenen parlamentarischen Beratung des Staatshaushalts sichtbar werden. Dort müssen angekündigte Stellen, Investitionen oder Förderprogramme mit konkreten Haushaltsmitteln unterlegt werden.
Quellen
- Franceinfo
- TV5Monde
- Banque de France
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).