Dijon – 25.08.2026: Das Handelsgericht von Dijon befasst sich an diesem Dienstag mit dem Antrag von Cycles Lapierre auf Eröffnung eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens. Der traditionsreiche Fahrradhersteller will unter gerichtlichem Schutz den Betrieb fortsetzen und Zeit für eine tragfähige Finanzierung gewinnen. Nach Angaben des Unternehmens sind 106 Arbeitsplätze betroffen. Eine Entscheidung des Gerichts war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht bekannt.
Lapierre hatte den Antrag am 5. August eingereicht, nachdem der niederländische Alleineigentümer Accell zahlungsunfähig geworden war. Die Krise des Mutterkonzerns entzog der französischen Tochter nach Unternehmensangaben die Grundlage ihrer laufenden Finanzierung. Lapierre weist darauf hin, dass der Antrag keine Liquidation bedeutet. Er soll vielmehr ermöglichen, die Geschäfte fortzuführen und zugleich nach neuem Kapital oder einem Investor zu suchen.
Eröffnet das Gericht das Verfahren, schließt sich üblicherweise eine Beobachtungsphase an. Das Unternehmen kann währenddessen weiterarbeiten, während seine wirtschaftliche Lage geprüft und eine Lösung mit Geschäftsführung, Gläubigern und möglichen Geldgebern vorbereitet wird. Infrage kämen etwa ein Sanierungsplan mit neuer Finanzierung oder die Übernahme durch einen Investor. Lapierre strebt nach eigener Darstellung größere Unabhängigkeit von Accell an.
Die Schwierigkeiten reichen über den Mutterkonzern hinaus. Nach dem außergewöhnlichen Nachfrageanstieg während der Corona-Pandemie kühlte der Fahrradmarkt deutlich ab. Hohe Lagerbestände belasteten Hersteller und Händler, während zugleich die Kosten stiegen. Accell, zu dessen Markenportfolio unter anderem Raleigh, Winora und Haibike gehören, geriet zusätzlich wegen seiner hohen Verschuldung unter Druck. Nachdem Verhandlungen über eine neue Finanzierung gescheitert waren, meldete der Konzern Anfang August Zahlungsunfähigkeit.
Lapierre wurde 1946 gegründet und zählt zu den bekanntesten französischen Fahrradmarken. Das Unternehmen erzielte 2025 nach veröffentlichten Angaben einen Umsatz von 99,1 Millionen Euro. Zugleich sank die Zahl der Beschäftigten von früher rund 130 auf 106. Die Geschäftsführung erklärt, Kosten gesenkt und Lagerbestände abgebaut zu haben; die verfügbare Liquidität reiche dennoch nicht aus.
Auch der französische Fahrradmarkt blieb 2025 angespannt. Nach Angaben des Branchenverbands Union Sport & Cycle wurden weniger neue Fahrräder verkauft als im Vorjahr, während das Reparaturgeschäft deutlich zulegte. Viele Verbraucher ließen vorhandene Räder instand setzen, statt neue Modelle zu kaufen. Für Lapierre erschwert diese Entwicklung die Sanierung aus eigener Kraft.
Bis zum Gerichtsbeschluss sollen Produktion, Auslieferungen, Garantieleistungen und Ersatzteilversorgung nach Angaben von Lapierre weiterlaufen. Die Anhörung entscheidet zunächst über den rechtlichen Rahmen für die Fortführung und die Suche nach einem Investor, nicht abschließend über die Zukunft des Unternehmens.
Quellen
- Franceinfo
- Cycles Lapierre
- Le Monde
- Cleanrider
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).