Paris – 03.09.2026: Der Wirtschaftsnobelpreisträger Jean Tirole hat die Forderung zurückgewiesen, einen Teil der französischen Staatsschulden zu erlassen. In einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit France Inter nannte der Ökonom den Vorschlag unrealistisch. Im günstigsten Fall ändere eine solche Maßnahme nichts an der tatsächlichen Schuldenlast; im ungünstigsten Fall geriete Frankreich in Konflikt mit den Regeln der Eurozone.
Auslöser der Debatte ist ein Vorschlag von Jean-Luc Mélenchon. Der Politiker von La France insoumise will über jene französischen Staatspapiere verhandeln, die im Zuge der Geldpolitik vom Eurosystem erworben wurden und in der Bilanz der Banque de France stehen. Private Gläubiger wären davon nach seiner Darstellung nicht betroffen. Der Staat, so die politische Hoffnung, könnte auf diese Weise finanziellen Spielraum gewinnen.
Tirole widerspricht dieser Rechnung. Verzichtet eine Zentralbank auf Forderungen gegenüber einem Staat, sinkt zugleich ihr Vermögen. Verluste oder ausbleibende Erträge können sich wiederum auf die öffentlichen Finanzen auswirken, etwa wenn geringere Überschüsse an den Staatshaushalt abgeführt werden. Die vermeintliche Entlastung wäre seiner Argumentation zufolge daher vor allem eine Verschiebung innerhalb des öffentlichen Sektors. Neue wirtschaftliche Leistungskraft oder zusätzliche Einnahmen entstünden dadurch nicht.
Hinzu kommen die rechtlichen Grenzen der gemeinsamen Geldordnung. Artikel 123 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union untersagt der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken grundsätzlich die unmittelbare Finanzierung staatlicher Stellen. Die Wirtschafts- und Währungsunion verbindet eine gemeinsame Geldpolitik mit Haushalten, für die weiterhin die Mitgliedstaaten verantwortlich sind. Frankreich könnte einen Schuldenerlass durch die Banque de France deshalb nicht einseitig verfügen.
Tirole erklärte, ein Bruch mit diesen Regeln könne Frankreich letztlich vor die Frage stellen, ob es in der Eurozone bleiben könne. Seine Warnung bezieht sich auf die möglichen Folgen einer einseitigen Annullierung, nicht auf ein bereits eingeleitetes Austrittsverfahren. Auch Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, hatte den Vorschlag am 2. September als unvereinbar mit den europäischen Verträgen kritisiert.
Die Kontroverse erhält ihr Gewicht durch die hohe öffentliche Verschuldung Frankreichs. Nach Angaben des Statistikamts Insee belief sich die Maastricht-Schuld Ende des ersten Quartals 2026 auf 3.536,1 Milliarden Euro. Das entsprach 117,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, nach 115,7 Prozent im Vorquartal. Befürworter eines Erlasses sehen in den von Zentralbanken gehaltenen Papieren einen Sonderfall. Kritiker halten dagegen, dass auch diese Schulden Teil verbindlicher Bilanzen sind und ihre Streichung das Vertrauen in die gemeinsame Währungsordnung belasten könnte.
Quellen
- Franceinfo
- Institut national de la statistique et des études économiques
- Europäische Kommission
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).