Paris – 31.08.2026: Der frühere französische Premierminister Édouard Balladur ist im Alter von 97 Jahren in Paris gestorben. Seine Familie bestätigte seinen Tod am Montag. Von März 1993 bis Mai 1995 führte Balladur die Regierung und damit die bürgerliche Parlamentsmehrheit in einer Cohabitation mit dem sozialistischen Staatspräsidenten François Mitterrand. Er gehörte zu den einflussreichsten Vertretern der französischen Rechten in den achtziger und neunziger Jahren.
Balladur wurde am 2. Mai 1929 im türkischen Smyrna, dem heutigen Izmir, geboren. Seine Laufbahn begann im Staatsrat, dem Conseil d'État, dem er 1957 beitrat. Früh arbeitete er für Georges Pompidou: zunächst in dessen Amtszeit als Premierminister, später im Élysée-Palast. Von 1969 bis 1974 war Balladur dort erst stellvertretender Generalsekretär und anschließend Generalsekretär der Präsidentschaft.
Diese Jahre prägten seinen politischen Stil. Balladur verkörperte einen administrativ geschulten Konservatismus, der auf eine starke Exekutive und wirtschaftspolitische Glaubwürdigkeit setzte. Anders als viele führende Gaullisten stützte sich sein Einfluss zunächst weniger auf ein lokales Mandat oder den Parteiapparat als auf seine Erfahrung in Ministerkabinetten, Behörden und den Schaltstellen des Staates.
1986 übernahm er im ersten Kabinett Jacques Chiracs während der ersten Cohabitation das Amt des Wirtschafts-, Finanz- und Privatisierungsministers. Er verantwortete einen liberalen Kurs: Die Regierung baute Preis- und Devisenkontrollen ab, reformierte die Finanzmärkte und privatisierte staatliche Unternehmen. Damit vollzog sie eine deutliche Abkehr von den Verstaatlichungen der frühen achtziger Jahre unter Mitterrand.
Nach dem klaren Sieg der Rechten bei der Parlamentswahl 1993 ernannte Mitterrand ihn zum Premierminister. Balladurs Regierung verfügte über eine breite Mehrheit in der Nationalversammlung und verband eine restriktive Haushaltspolitik mit wirtschaftlichen Reformen. Zugleich setzte die Cohabitation seiner Macht Grenzen: Vor allem in der Außen- und Verteidigungspolitik behauptete der Präsident seinen eigenen Handlungsspielraum.
Balladurs Amtszeit endete mit der Präsidentschaftswahl 1995. Er trat gegen seinen langjährigen politischen Weggefährten Jacques Chirac an und spaltete damit das gaullistische Lager. Obwohl Balladur zeitweise als Favorit gegolten hatte, schied er im ersten Wahlgang aus; Chirac gewann anschließend die Wahl.
Bis 2007 gehörte Balladur der Nationalversammlung an. Im selben Jahr leitete er eine Kommission zur Reform der Verfassung. Deren Arbeit floss in die Beratungen über die Modernisierung der Institutionen ein und bildete den späten Abschluss einer politischen Laufbahn, die eng mit der Geschichte der Fünften Republik verbunden war.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Vie publique
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).