Paris – 31.08.2026: Der Wirtschaftsnobelpreisträger Daron Acemoglu hat seine Warnungen vor den Folgen künstlicher Intelligenz für Arbeitsplätze verschärft. In einem Interview mit France Inter sagte der Ökonom am Montag, die Auswirkungen der Technologie würden gewaltig sein. Besondere Sorge bereite ihm der rasche Fortschritt bei KI-Agenten, also Programmen, die Aufgaben weitgehend eigenständig planen und ausführen können.
Acemoglu hatte die wirtschaftlichen Effekte künstlicher Intelligenz lange zurückhaltender beurteilt als viele Vertreter der Technologiebranche. Seine Forschung stellte vor allem infrage, ob die derzeitige Technik kurzfristig einen außergewöhnlich hohen Produktivitätsschub auslösen könne. Nun rückt für ihn stärker die Gefahr in den Vordergrund, dass Unternehmen menschliche Tätigkeiten systematisch durch automatisierte Abläufe ersetzen.
Der am Massachusetts Institute of Technology lehrende Ökonom erhielt 2024 gemeinsam mit Simon Johnson und James A. Robinson den Wirtschaftsnobelpreis. Ausgezeichnet wurde das Trio für Forschungen dazu, wie Institutionen entstehen und den Wohlstand beeinflussen. Acemoglu verbindet die Debatte über neue Technik deshalb mit der Frage, wer über ihren Einsatz entscheidet und wie die daraus entstehenden Erträge verteilt werden.
KI-Agenten unterscheiden sich von einfachen Textassistenten, weil sie mehrere Arbeitsschritte miteinander verknüpfen. Sie können Informationen suchen, Dokumente auswerten, Entwürfe erstellen und digitale Vorgänge nach festgelegten Regeln anstoßen. Gerade in Büros, im Kundenservice, bei Verwaltungsvorgängen und standardisierten Analysen wächst dadurch der Druck auf Tätigkeiten, die bislang überwiegend von Beschäftigten erledigt werden.
Die französische Generaldirektion des Schatzamts verweist zugleich darauf, dass die Folgen künstlicher Intelligenz für den Arbeitsmarkt nicht feststehen. Technik kann einzelne Aufgaben ersetzen, Beschäftigte bei ihrer Arbeit unterstützen oder neue Tätigkeitsfelder schaffen. Welche Wirkung überwiegt, hängt unter anderem davon ab, wie Unternehmen die Systeme einsetzen und ob Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für veränderte Aufgaben qualifiziert werden.
In Frankreich ist die Verunsicherung erheblich: Laut einer vom Schatzamt angeführten Erhebung betrachten 62 Prozent der Befragten künstliche Intelligenz als Risiko für Arbeitsplätze. Weiterbildung und Unterstützung bei beruflichen Wechseln gelten der Behörde daher als wichtige Voraussetzungen, damit Beschäftigte von der Entwicklung profitieren und nicht verdrängt werden. Auch für Unternehmen geht es dabei um mehr als kurzfristige Einsparungen: Eine breite Automatisierung verändert Zuständigkeiten, Berufsbilder und den Bedarf an Qualifikationen.
Acemoglus Warnung richtet sich nicht gegen jede Nutzung der Technologie. Er wirbt für Systeme, die menschliches Fachwissen ergänzen, Beschäftigte leistungsfähiger machen und die Qualität ihrer Arbeit erhöhen. Staat und Unternehmen müssten deshalb Anreize für eine solche Entwicklung setzen, statt künstliche Intelligenz vorrangig zur Senkung von Personalkosten einzusetzen.
Quellen
- Franceinfo
- Direction générale du Trésor
- MIT Stone Center on Inequality and Shaping the Future of Work
- Nobel Prize
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).