Aix-en-Provence – 22.10.2026: Vor dem Schwurgericht des Départements Bouches-du-Rhône hat eine Polizeikommandantin am vierten Verhandlungstag die Ermittlungen zu einem Dreifachmord vom Dezember 2020 verteidigt. Nach einem Bericht von Franceinfo sagte die Beamtin, die Polizei verfüge über zahlreiche Erkenntnisse. Fünf Männer müssen sich vor Gericht verantworten; sie bestreiten, an den Taten beteiligt gewesen zu sein.
Verhandelt wird der gewaltsame Tod von drei Männern aus Marseille: Brahim Chabane, Reda Khaldi und Nassim Loubani. Chabane war der ältere Halbbruder des Anti-Drogen-Aktivisten Amine Kessaci, der nach den Kommunalwahlen im März 2026 Beigeordneter der Stadt Marseille wurde. Die Tat ereignete sich während heftiger Auseinandersetzungen um die Kontrolle von Drogenverkaufsplätzen in der Hafenstadt.
Die Anklage rechnet den Fall der organisierten Kriminalität zu. Das Gericht muss klären, wer die Tat geplant, finanziert, ausgeführt oder unterstützt haben soll. Die Polizeikommandantin schilderte die Arbeit der Ermittler und widersprach dem Vorwurf, die Untersuchung stütze sich lediglich auf schwache Indizien. Nach ihren Worten ergeben die zusammengetragenen Elemente ein belastbares Gesamtbild.
Ihre Aussage berührt damit eine zentrale Frage des Verfahrens: Welchen Beweiswert besitzen Erkenntnisse zu Kommunikation und Bewegungsabläufen sowie die Aussagen der Beteiligten? Die Richter müssen jedes Element einzeln und im Zusammenhang würdigen. Dass die Beamtin von einer soliden Untersuchung spricht, nimmt diese Prüfung nicht vorweg. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gelten die Angeklagten als unschuldig.
Der Prozess begann am 19. Oktober in Aix-en-Provence und soll nach dem veröffentlichten Sitzungsplan bis zum 6. November dauern. Wegen des mutmaßlichen Bezugs zur organisierten Kriminalität verhandelt ein besonders besetztes Schwurgericht ohne Geschworene. In der ersten Prozesswoche werden vor allem Polizeibeamte und Ermittler gehört. Ihre Aussagen sollen nachvollziehbar machen, wie die Verdachtsmomente entstanden und miteinander verknüpft wurden.
Amine Kessaci tritt wegen des Todes seines Halbbruders als Nebenkläger auf. Seit Jahren engagiert er sich öffentlich gegen den Drogenhandel in Marseille. Für ihn und die übrigen Angehörigen führt das Verfahren fast sechs Jahre nach der Tat noch einmal durch die Einzelheiten der Ermittlungen und die Umstände des Verlusts.
Der Dreifachmord gilt als ein frühes Kapitel jener Gewalt, die Marseille in den folgenden Jahren im Umfeld des Drogenhandels erschütterte. Im Gerichtssaal geht es jedoch allein um die strafrechtliche Verantwortung für die drei Tötungen im Dezember 2020. Die Beweisaufnahme wird bis zum vorgesehenen Ende des Verfahrens fortgesetzt.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Marsactu
- Berufungsgericht Aix-en-Provence
- Stadt Marseille
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).