Kultur

Jonathan Littell erzählt in “Das Erbe” vom Weg in den Polizeistaat

Zwanzig Jahre nach "Die Wohlgesinnten" legt Jonathan Littell einen neuen politischen Roman vor. "Das Erbe" verfolgt den Aufstieg eines gewöhnlichen Beamten zum Werkzeug eines autoritären Staates.

Paris – 26.10.2026: Zwanzig Jahre nach seinem Welterfolg "Die Wohlgesinnten" legt Jonathan Littell einen neuen großen politischen Roman vor. "Das Erbe", am 15. Oktober bei Gallimard erschienen, erzählt von einem gewöhnlichen Mann, der in der Verwaltung eines autoritären Staates aufsteigt und schließlich zum Werkzeug seiner Repressionsmaschinerie wird.

Der Roman beginnt jedoch in der Familie. Nach dem Suizid des Vaters und dem Weggang der Mutter wächst Maxime A. mit seiner Zwillingsschwester in einem verlassenen Elternhaus auf. Später nimmt er den Namen des Vaters an und versucht, dessen Lebensweg nachzuvollziehen. Aus dieser Suche entwickelt Littell eine Biografie, in der Herkunft, Begehren, sozialer Aufstieg und politische Anpassung eng miteinander verbunden sind.

Im Erwachsenenalter gelangt Maxime A. in den Verwaltungsapparat eines nicht näher bezeichneten Landes. Dort beobachtet er oppositionelle und aufständische Bewegungen, während sich die politische Ordnung zunehmend auf Überwachung, Unterordnung und Gewalt stützt. Gerade die Unbestimmtheit des Schauplatzes löst das Geschehen aus einer konkreten historischen Epoche. Der Staat erscheint als ein System von Zuständigkeiten, Akten und Befehlen, in dem persönliche Verantwortung hinter bürokratischen Abläufen zu verschwinden droht.

Franceinfo beschreibt das Buch als kafkaeske Reise durch eine totalitäre Technokratie. Littell richtet den Blick dabei weniger auf einen charismatischen Machthaber als auf den Funktionär, der Regeln auslegt, Anweisungen weitergibt und Repression administrativ möglich macht. Der Protagonist wird nicht als Ausnahmefigur angelegt, sondern als Mensch, dessen Entscheidungen sich schrittweise mit den Anforderungen des Systems verbinden.

Damit kehrt Littell zu Motiven zurück, die bereits "Die Wohlgesinnten" prägten: individuelle Schuld, staatliche Gewalt und die Frage, wie Täter ihre eigene Rolle deuten. Während der frühere Roman eng an die nationalsozialistische Vernichtungspolitik gebunden war, entwirft "Das Erbe" nach den vorliegenden Beschreibungen eine offenere politische Versuchsanordnung. Das Kindheitstrauma des Erzählers dient dabei nicht als einfache Erklärung seines späteren Handelns. Vielmehr untersucht der Roman, wo Prägung endet und Verantwortung beginnt.

Die gebundene französische Ausgabe umfasst 464 Seiten, erscheint in der Reihe Blanche und kostet 23 Euro. Littell, 1967 in New York geboren, schreibt auf Französisch und besitzt die französische Staatsbürgerschaft. Für "Die Wohlgesinnten" erhielt er 2006 den Prix Goncourt und den Großen Romanpreis der Académie française. "Das Erbe" ist seit dem 15. Oktober im französischen Buchhandel erhältlich.

Quellen

  • Franceinfo
  • Bibliographie nationale française
  • Livres Hebdo

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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