Paris – 02.09.2026: Nach dem mutmaßlich homophoben Angriff auf den Polizisten Pierre Picavet hat die französische Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen einen 20 Jahre alten Verdächtigen eingeleitet. Ihm werden Gewalt unter erschwerenden Umständen und Diebstahl vorgeworfen. Ein Ermittlungsrichter stellte den Beschuldigten anschließend unter gerichtliche Aufsicht. Picavet ist Präsident der Vereinigung FLAG!, die sich in den Ministerien für Inneres und Justiz für die Rechte lesbischer, schwuler, bisexueller und trans Personen einsetzt.
Der Angriff ereignete sich in der Nacht von Freitag, 28. August, auf Samstag, 29. August, vor einer Bar im Pariser Marais. Picavet wurde nach den bislang bekannten Ermittlungsangaben zunächst beleidigt und anschließend körperlich angegriffen. Ein Zeuge wies die Polizei auf einen mutmaßlichen Täter hin, der noch in der Nähe des Tatorts festgenommen wurde.
Der Verdächtige soll Picavet geschlagen und ihm eine Flasche ins Gesicht geworfen haben. Das Opfer erlitt laut Medienberichten mehrere Gesichtsbrüche sowie innere Blutungen und musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Ermittler prüfen den genauen Ablauf der Tat, ein mögliches homophobes Motiv und die Frage, ob weitere Personen beteiligt waren. Die juristische Einordnung des Motivs ist noch nicht abgeschlossen.
Mit der gerichtlichen Aufsicht sind mehrere Auflagen verbunden. Der Beschuldigte darf das 3. und 4. Arrondissement von Paris nicht betreten und keinen Kontakt zu Picavet aufnehmen. Zudem darf er das französische Mutterland nicht verlassen. Er muss sich regelmäßig bei den Behörden melden und sich einer suchtmedizinischen Behandlung unterziehen.
Die Einleitung des Ermittlungsverfahrens ist keine Verurteilung. In Frankreich bedeutet die sogenannte mise en examen, dass ein Ermittlungsrichter konkrete und übereinstimmende Anhaltspunkte gegen einen Beschuldigten sieht. Für den 20-Jährigen gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Neben der Gewalttat untersucht die Justiz auch den erhobenen Diebstahlsvorwurf.
Der Fall betrifft mit Picavet einen Vertreter jener Beschäftigten, die innerhalb von Polizei und Justiz gegen Diskriminierung arbeiten. FLAG! unterstützt LGBT-Personen in beiden Ministerien und setzt sich für deren Schutz sowie für einen diskriminierungsfreien Arbeitsalltag ein. Der Angriff erhielt deshalb über Paris hinaus Aufmerksamkeit.
Nach Angaben des französischen Innenministeriums registrierten die Sicherheitsbehörden 2025 landesweit rund 4.900 gegen LGBT-Personen gerichtete Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Das waren zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 64 Prozent der erfassten Fälle wurden als Verbrechen oder Vergehen eingestuft. Die amtliche Statistik bildet allerdings nur angezeigte und polizeilich registrierte Vorfälle ab; viele Betroffene wenden sich nach Einschätzung der Behörden nicht an die Polizei.
Quellen
- Franceinfo
- Le Parisien
- TF1 Info
- Französisches Innenministerium, Interstats
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).