Paris – 02.09.2026: Die Beschäftigten von Radio France haben am Mittwoch grundsätzlich für einen Streik gestimmt und den Rückzug der geplanten politischen Wochenkolumne von Charles Sapin auf France Inter verlangt. Eine Vollversammlung nahm die entsprechende Resolution einstimmig an. Sapin ist stellvertretender Redaktionsleiter des Magazins Valeurs actuelles und soll sonntagmorgens einen politischen Kommentar im öffentlich-rechtlichen Programm übernehmen.
Die Forderung richtet sich an die Präsidentin von Radio France, Sibyle Veil, und an die Direktorin von France Inter, Céline Pigalle. Nach Angaben französischer Medien soll die Gewerkschaftsallianz nun kurzfristig einen Streikaufruf vorbereiten. Zu einem Ausstand käme es demnach, falls die Senderleitung an der vorgesehenen Kolumne festhält. Ein konkreter Termin wurde zunächst nicht genannt.
Der Konflikt betrifft die Frage, welche publizistischen Maßstäbe für externe Kommentatoren im öffentlich finanzierten Rundfunk gelten. Die Resolution bezeichnet Sapins Verpflichtung als unvereinbar mit den Werten des Hauses. Valeurs actuelles wird in Frankreich dem äußerst rechten politischen Spektrum zugerechnet. Die Beschäftigten befürchten deshalb einen Schaden für die redaktionelle Glaubwürdigkeit von France Inter.
Sapin berichtete zuvor für das Magazin Le Point über den Rassemblement National. Seine Verpflichtung hatte bereits Ende August Widerstand bei der Gewerkschaft SNJ-CGT von Radio France ausgelöst. Sie verwies auf die politische Ausrichtung seines gegenwärtigen Arbeitgebers und forderte eine Überprüfung der Personalentscheidung. Der Beschluss der Vollversammlung erhöht nun den Druck auf die Führung zu Beginn der neuen Hörfunksaison.
Die Auseinandersetzung trifft Radio France in einer ohnehin angespannten Phase. Sparvorgaben, Programmreformen und Veränderungen bei regionalen Angeboten, Produktionsabläufen und Sendestrukturen hatten schon 2025 Arbeitskämpfe ausgelöst. Diesmal geht es unmittelbar um die publizistische Linie von France Inter und damit um einen besonders sensiblen Bereich des öffentlich-rechtlichen Auftrags.
Die Senderleitung hatte ihre Antwort auf die Resolution zunächst nicht öffentlich dargelegt. Sie kann sich bei der Verpflichtung externer Stimmen auf das Gebot des politischen Meinungspluralismus berufen. Die Beschäftigten stellen dieses Prinzip nicht grundsätzlich infrage. Sie wenden sich vielmehr gegen die Entscheidung, einen leitenden Journalisten von Valeurs actuelles regelmäßig auf einer der reichweitenstärksten öffentlich-rechtlichen Radiowellen Frankreichs kommentieren zu lassen.
Damit erhält der innerbetriebliche Streit eine medienpolitische Dimension. Radio France wird öffentlich finanziert und ist besonderen Anforderungen an Unabhängigkeit, Vielfalt und journalistische Standards verpflichtet. Ob der vorbereitete Streikaufruf tatsächlich eingereicht wird, hängt von der Reaktion der Senderleitung ab. Seit Mittwoch liegt ihr eine einstimmig beschlossene Forderung nach dem Rückzug der Kolumne vor.
Quellen
- Le Monde
- Télérama
- Le Parisien
- Puremédias
- Radio France
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).