Wirtschaft

Rossel verhandelt über Kauf der Groupe Sud Ouest

Der belgische Medienkonzern Rossel will rund 80 Prozent der Groupe Sud Ouest übernehmen. Der Zusammenschluss würde einen der größten Anbieter französischer Regionalpresse schaffen.

Bordeaux – 03.09.2026: Der belgische Medienkonzern Rossel hat exklusive Verhandlungen über den Erwerb von rund 80 Prozent der Groupe Sud Ouest aufgenommen. Die Familie Lemoine, die den Verlag der Regionalzeitung Sud Ouest kontrolliert, und Rossel streben nach Angaben beider Unternehmen einen Abschluss bis Ende 2026 an. Vor einer Vereinbarung müssen die Arbeitnehmervertretungen konsultiert werden.

Die Entscheidung zur Aufnahme der Gespräche fiel laut Tristan Lemoine, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Groupe Sud Ouest, einstimmig unter den rund 50 Aktionären. Die Familie Lemoine hält ungefähr 80 Prozent des Kapitals. Jacques Lemoine hatte Sud Ouest 1944 gegründet. Der mögliche Eigentümerwechsel betrifft damit eines der prägenden regionalen Medienhäuser im Südwesten Frankreichs.

Zur Gruppe gehören neben Sud Ouest weitere Regionalzeitungen wie Charente Libre und La République des Pyrénées. Hinzu kommen Aktivitäten im Veranstaltungswesen, in der audiovisuellen Produktion, in der Kommunikation und im Verlagsgeschäft. Nach Unternehmensangaben erzielt die Gruppe inzwischen rund 30 Prozent ihrer Erlöse außerhalb des gedruckten Zeitungsgeschäfts. Diese Diversifizierung soll die Abhängigkeit vom strukturell rückläufigen Printmarkt verringern.

Sud Ouest erreichte 2025 nach Daten des französischen Auflagenkontrolleurs ACPM eine tägliche Verbreitung von rund 164.000 Exemplaren. Die Groupe Sud Ouest beschäftigt etwa 700 Menschen, darunter 230 Journalisten. Die Verlagsgesellschaft Sapeso schrieb 2025 Verluste, während die Gruppe insgesamt nach eigener Darstellung profitabel blieb. Nach 81 Abgängen im Jahr 2024 läuft zudem bis 2028 ein Programm mit rund 50 freiwilligen Austritten oder nicht wiederbesetzten Stellen.

Rossel ist über Rossel France bereits auf dem französischen Markt vertreten und besitzt unter anderem La Voix du Nord, Le Courrier Picard sowie Titel in der Normandie und der Region Champagne-Ardenne. Die französische Holding wird mehrheitlich vom belgischen Familienkonzern kontrolliert; Minderheitsaktionär ist Crédit Agricole Nord de France. Rossel beschäftigt nach eigenen Angaben 1.700 Menschen in Frankreich.

Bei einem Abschluss läge der gemeinsame Umsatz beider Gruppen bei mehr als 400 Millionen Euro. Nach den Unternehmensangaben entstünde der drittgrößte Konzern der französischen Regionalpresse hinter SIPA-Ouest-France und EBRA. Der Kaufpreis wurde nicht offiziell genannt. Eine mit dem Vorgang vertraute Quelle bezifferte ihn gegenüber der Nachrichtenagentur Agence France-Presse auf etwa 100 Millionen Euro.

Der Generaldirektor der Groupe Sud Ouest, Olivier Cotinat, begründete die Annäherung mit dem Bedarf an größerer wirtschaftlicher Reichweite. Vor allem die Entwicklung technischer Systeme für künstliche Intelligenz und der Schutz journalistischer Inhalte erforderten erhebliche Investitionen. Zwischen den regionalen Verbreitungsgebieten beider Gruppen gebe es keine offensichtlichen Doppelstrukturen; konkrete Hinweise auf weitere Stellenstreichungen liegen bislang nicht vor.

Quellen

  • Franceinfo
  • Agence France-Presse via CB News
  • Groupe Rossel

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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