Paris – 23.10.2026: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat am Freitag Vertreter von Schülerorganisationen im Élysée-Palast empfangen und ihnen nach deren Angaben einen grundlegenden Umbau der Hochschulplattform Parcoursup zugesagt. Es war seine erste direkte Unterredung mit Repräsentanten der seit Wochen mobilisierten Schülerinnen und Schüler. Konkrete Gesetzesvorhaben, einen Zeitplan oder zusätzliche Studienplätze kündigte der Präsident zunächst nicht an.
Über Parcoursup werden Bewerbungen für einen großen Teil der französischen Hochschulangebote abgewickelt. Seit ihrer Einführung 2018 steht die Plattform wegen schwer nachvollziehbarer Auswahlverfahren, langer Wartezeiten und regional begrenzter Studienkapazitäten in der Kritik. Teile der Schüler- und Studierendenorganisationen verlangen ihre Abschaffung. Die Regierung lehnt das ab und setzt bislang auf mehr Transparenz, bessere Studienorientierung und Veränderungen beim Platzangebot.
Die Begegnung im Élysée fiel mit dem Ende einer nationalen Onlinekonsultation zusammen, die das Bildungsministerium vom 5. bis 23. Oktober über die staatliche Plattform Agora veranstaltete. Schülerinnen und Schüler konnten dort anonym Probleme aus ihrem Schulalltag schildern und Reformvorschläge einreichen. Nach Angaben von Franceinfo kamen mehr als 100.000 Beiträge zusammen. Das Ministerium hatte erklärt, die Ergebnisse sollten in die Arbeit der Bildungsbehörden und Schulen einfließen.
Die veröffentlichten Angaben zeigen allerdings, dass die Kritik an Parcoursup nur einen Teil der Beschwerden ausmacht. Häufig genannt wurden ausgefallene Unterrichtsstunden, überfüllte Klassen, bauliche Mängel und die Organisation des Schultags. Bereits Mitte Oktober hatte das Ministerium angekündigt, mehr als 3.000 Vertretungslehrkräfte rasch an besonders betroffene Gymnasien zu entsenden und die institutionelle Schülervertretung zu reformieren.
Der politische Druck auf Parcoursup ist dennoch gewachsen. In der Bewerbungsrunde 2026 registrierte das Bildungsministerium 66.000 Bewerber mehr als im Vorjahr. Besonders deutlich war der Anstieg bei Abiturienten und Studierenden, die sich neu orientieren wollten. Damit hängt die Erfahrung der Bewerber nicht allein von der technischen Gestaltung der Plattform ab. Ebenso wichtig ist die Zahl der Plätze in stark nachgefragten Studiengängen.
Nach Angaben des Ministeriums erhielten in der jüngsten Runde fast neun von zehn Abiturienten mit Stipendium mindestens ein Studienangebot. Diese Kennziffer beantwortet jedoch nicht die Forderung nach nachvollziehbareren Zulassungsentscheidungen. Für Bewerber ist maßgeblich, nach welchen Kriterien Hochschulen ihre Ranglisten erstellen und wie realistisch die Aufnahme in den gewünschten Studiengang ist.
Macrons Zusage richtet nun einen politischen Auftrag an die Regierung und das Hochschulministerium. Eine kurzfristige Beratung im Ministerium für Hochschulwesen soll bis Ende Oktober Vorschläge vorlegen. Nach dem Treffen blieb offen, ob die Regierung Parcoursup grundlegend neu gestaltet oder sich auf zusätzliche Informations- und Transparenzregeln beschränkt.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Bildungsministerium
- Le Parisien
- Centre d'information et de documentation jeunesse
- Französisches Ministerium für Hochschulwesen
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).