Paris – 01.09.2026: Am ersten Schultag für 11,6 Millionen Schülerinnen und Schüler hat die Lehrergewerkschaft SE-Unsa ein düsteres Bild der Lage an Frankreichs Schulen gezeichnet. Generalsekretärin Elisabeth Allain-Moreno sagte am Dienstag bei France Culture, die Lehrkräfte liebten ihren Beruf weiterhin. Ihre Hoffnungen seien jedoch angesichts ausbleibender politischer Antworten rasch geschwunden. Das neue Schuljahr beginnt aus Sicht des Verbandes mit zu vielen ungelösten Problemen.
Die Kritik richtet sich vor allem auf Arbeitsbedingungen, Besoldung und die Unterstützung von Kindern mit besonderem Förderbedarf. Bereits im Frühjahr hatte SE-Unsa die Vorgaben des Ministeriums für das Schuljahr beanstandet: Pädagogische Prioritäten würden zwar benannt, die dafür erforderlichen Mittel blieben jedoch unzureichend. Hinter der Warnung vor einer sehr düsteren rentrée steht daher weniger eine einzelne Entscheidung als ein über Jahre gewachsener Vertrauensverlust.
Das Bildungsministerium beschreibt die Lage anders. Minister Édouard Geffray hatte Ende August drei Leitlinien für 2026/2027 genannt: Wissen vermitteln, Schülerinnen und Schüler schützen und die Schule als gemeinsamen republikanischen Ort stärken. Geplant sind die schrittweise Einführung neuer Lehrpläne, Fortbildungen zur Prävention sexualisierter Gewalt sowie ein stärkerer Schutz von Beschäftigten bei schweren Bedrohungen durch Eltern.
Auch die demografische Entwicklung prägt die Auseinandersetzung. Nach Regierungsangaben besuchen in diesem Schuljahr rund 161.000 Kinder und Jugendliche weniger die Schulen als im Vorjahr. Der Staat verweist darauf, dass sich die Betreuung dadurch rechnerisch verbessern könne. Für die Gewerkschaften folgt daraus keineswegs automatisch eine Entlastung. Sie wollen frei werdende Kapazitäten für kleinere Klassen, verlässliche Vertretungen und eine bessere Förderung nutzen, anstatt Stellen abzubauen.
Besonders empfindlich reagiert der Berufsstand auf die Frage, wie attraktiv der Lehrerberuf noch ist. Frankreich hatte in den vergangenen Jahren wiederholt Schwierigkeiten, genügend Lehrkräfte zu gewinnen und freie Stellen rechtzeitig zu besetzen. Eine Reform der Lehramtsausbildung soll den Einstieg vorziehen und die Ausbildung besser vergüten. Bei der praktischen Umsetzung, den Prüfungsplätzen und der Zahl der Ausbilder waren zuletzt allerdings Fragen offen.
Ministerium und Gewerkschaft sprechen gleichermaßen von Schutz, Qualität und Verlässlichkeit, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Die Regierung hebt bereits beschlossene Programme hervor. SE-Unsa verlangt konkrete Verbesserungen in Klassenräumen, Lehrerzimmern und Schulleitungen. Dort entscheidet sich, ob neue Vorgaben Beschäftigte tatsächlich entlasten oder deren Aufgaben weiter vermehren.
Für Familien beginnt der Schulalltag mit neuen Stundenplänen und vertrauten Routinen. Politisch ist diese rentrée jedoch kein unbeschwerter Neubeginn. SE-Unsa hält am Berufsethos der Lehrkräfte fest, fordert dafür aber dauerhaft ausreichende Mittel und klare politische Entscheidungen.
Quellen
- Franceinfo, Bericht über das Interview mit Elisabeth Allain-Moreno
- Französisches Bildungsministerium
- SE-Unsa
- Französische Regierung
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).