Orléans – 26.10.2026: Marine Le Pen hat am Sonntag in Orléans ihre Kampagne für die Präsidentschaftswahl 2027 eröffnet. Das Großtreffen des Rassemblement National fand zwei Tage nach dem Angriff in Trappes und La Verrière statt, bei dem ein Mensch getötet und fünf weitere verletzt wurden. Die nationale Antiterrorstaatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf terroristische Straftaten mit rassistischem Motiv.
Le Pen verurteilte den rassistischen Charakter der Tat. In ihrer Rede setzte sie jedoch vor allem auf die vertrauten Themen ihrer Partei: öffentliche Sicherheit, staatliche Autorität, nationale Souveränität und eine wirtschaftspolitische Neuorientierung. Sie kündigte unter anderem an, das seit 2017 geltende Verbot neuer Genehmigungen zur Erkundung von Kohlenwasserstoffvorkommen aufheben zu wollen.
Die Nähe des Parteitreffens zum Anschlag prägte die politische Debatte. Präsident Emmanuel Macron hatte die Tat vom 23. Oktober als rassistischen Terroranschlag bezeichnet. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der festgenommene Verdächtige Menschen aufgrund ihrer tatsächlichen oder von ihm angenommenen Herkunft ausgewählt haben. Die juristische Aufarbeitung steht noch am Anfang; eine abschließende gerichtliche Bewertung liegt nicht vor.
Unter den Teilnehmern des Treffens stieß die Frage nach einer politischen Mitverantwortung auf entschiedene Ablehnung. Anhänger des Rassemblement National erklärten gegenüber Reportern, die Partei rufe nicht zu Hass auf. Sie unterschieden zwischen ihren Forderungen nach einer strengeren Migrations- und Sicherheitspolitik und rassistischer Gewalt. Diese Trennlinie ist für Le Pens Strategie zentral: Sie will ihre Partei als Kraft der Ordnung und als regierungsfähige Alternative präsentieren.
Kritiker halten dem entgegen, dass die wiederkehrende Darstellung von Ausländern, Muslimen und Menschen mit Einwanderungsgeschichte als Sicherheitsproblem ein gesellschaftliches Klima der Ausgrenzung begünstige. Der Rassemblement National weist diesen Vorwurf zurück. Die Partei beschreibt ihre Positionen als Schutz der nationalen Gemeinschaft und als Antwort auf Kriminalität, Integrationsprobleme sowie einen behaupteten Kontrollverlust des Staates.
Der Kongress diente zugleich der organisatorischen Vorbereitung auf die Präsidentschaftswahl. Jordan Bardella wurde mit nahezu 99 Prozent der Stimmen als Parteivorsitzender bestätigt. Le Pens Auftritt war nach Angaben der Veranstalter als erster großer Termin ihrer Kampagne geplant. Sicherheitskräfte schützten die Halle und ihr Umfeld; außerhalb des Kongresses kam es zu Protesten gegen die Partei.
Die Ereignisse von Trappes verliehen dem sorgfältig inszenierten Wahlkampfauftakt eine Bedeutung, die über das Programm des Kongresses hinausging. Le Pen behandelte die Debatte über rassistische Gewalt nur knapp und konzentrierte sich auf Angriffe gegen die Regierung Emmanuel Macrons. Die Ermittlungen zu den Taten in Trappes und La Verrière führt weiterhin die nationale Antiterrorstaatsanwaltschaft.
Quellen
- Associated Press
- Le Monde
- Euronews
- TF1 Info
- Rassemblement National
- Le Parisien
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).