Paris – 26.10.2026: Frankreichs Regierung will an diesem Montag erste Beschlüsse zur Reform von Parcoursup vorstellen. Das digitale Verfahren zur Vergabe von Studienplätzen gehört zu den zentralen Streitpunkten der seit Ende September andauernden Schülerproteste. Vertreter von Schüler- und Studierendenorganisationen werden zunächst im Amtssitz des Premierministers empfangen. Anschließend wollen Bildungsminister Édouard Geffray und Hochschulminister Philippe Baptiste die geplanten Maßnahmen erläutern.
Eine Abschaffung der Plattform lehnt die Regierung ab. Mehrere Schülerorganisationen verlangen das Ende des Systems, das sie als intransparent und belastend kritisieren. Die Regierung hält eine zentrale Koordinierung der Zulassungen angesichts begrenzter Studienkapazitäten hingegen für notwendig. Geplant sind deshalb Änderungen am bestehenden Verfahren, kein vollständiger Systemwechsel.
Zu den wichtigsten Arbeitsfeldern gehören verständlichere Zulassungskriterien, mehr Transparenz bei den Auswahlverfahren einzelner Hochschulen und eine frühere Studienorientierung. Das Hochschulministerium hatte am 19. Oktober erklärt, die Rückmeldungen aus den Protesten beträfen vor allem die Nachvollziehbarkeit des Verfahrens und die von Bewerbern wahrgenommene Fairness. Auch Engpässe bei Studienplätzen sollen deutlicher ausgewiesen werden.
Zur Verteidigung der Plattform verweist die Regierung auf die Bilanz des Zulassungsverfahrens 2026. Nach Angaben des Ministeriums bewarben sich 1,046 Millionen Menschen auf 25.000 Studienangebote, darunter duale Ausbildungsgänge. Von den Abiturienten erhielten 603.910 mindestens eine Zusage. Das entsprach 91,5 Prozent der Schüler, die Bewerbungswünsche eingereicht hatten. Insgesamt lag die Zahl der Bewerber um 66.000 über dem Vorjahreswert.
Diese Zahlen entkräften die politische Kritik allerdings nicht. Bei stark nachgefragten Studiengängen bleibt für viele Bewerber schwer verständlich, welches Gewicht Schulnoten, Motivationsschreiben, gewählte Fächer und örtliche Auswahlkriterien haben. Die Ministerien hatten deshalb bereits vor den Gesprächen angekündigt, Angaben zu Studienangeboten und Zulassungschancen zu überarbeiten. Welche technischen oder rechtlichen Änderungen daraus folgen, war am Vormittag noch offen.
Der Streit um Parcoursup gehört zu einem breiteren Forderungskatalog der Schülerbewegung. Anfang Oktober benannte die Regierung fünf Arbeitsbereiche: verlässlichere Vertretungen bei Unterrichtsausfall, bessere materielle Bedingungen an Schulen, eine andere Gestaltung des Schultags, verständlichere Berufs- und Studienberatung sowie mehr Mitsprache für Schüler. Mehr als 3.000 Vertretungslehrkräfte sollen nach Angaben des Bildungsministeriums vorrangig an besonders betroffenen Gymnasien eingesetzt werden.
Für größere Eingriffe ist der Zeitplan knapp. Das Zulassungsverfahren 2027 soll im Grundsatz stabil bleiben, damit Schulen und Familien frühzeitig planen können. Die nun angekündigten Änderungen dürften sich daher zunächst auf Information, Beratung und Transparenz konzentrieren. Das Verfahren 2026 endete am 10. September; die nächste Bewerbungsrunde muss sich in den bereits veröffentlichten Kalender einfügen.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Bildungsministerium
- Französisches Ministerium für Hochschulwesen und Forschung
- Europe 1
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).