Paris – 01.09.2026: Frankreich gehört bei der Lebenserwartung zur europäischen Spitze. Doch ein langes Leben ist statistisch nicht gleichbedeutend mit vielen Jahren ohne gesundheitliche Einschränkungen. Die jüngsten Vergleichsdaten zeichnen bei den sogenannten gesunden Lebensjahren ein weniger günstiges Bild, insbesondere für Frauen. Das berührt auch die Debatte über eine neue Berechnung des Rentenalters.
Nach Daten von Insee und Eurostat für 2024 konnten Frauen in Frankreich bei der Geburt durchschnittlich 63,7 gesunde Lebensjahre erwarten. Im Mittel der Europäischen Union waren es 65,5 Jahre. Frankreich lag damit 1,8 Jahre unter dem Durchschnitt. Auch bei Männern weisen die europäischen Statistiken keinen eindeutigen französischen Spitzenplatz aus. Die pauschale Behauptung, das Land stehe mindestens ebenso gut da wie seine Nachbarn, ist somit nicht gedeckt.
Anders fällt der Vergleich bei der allgemeinen Lebenserwartung aus. Sie betrug in Frankreich 2024 laut dem gemeinsamen Länderprofil der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Europäischen Kommission 83,1 Jahre und lag damit 1,4 Jahre über dem EU-Mittel. Französinnen erreichten demnach 85,9 Jahre, Männer 80,2 Jahre. Zwischen Lebensdauer und beschwerdefreier Lebenszeit besteht also eine erhebliche Lücke.
Valérie Pécresse, Präsidentin der Region Île-de-France und Politikerin der konservativen Republikaner, hat vorgeschlagen, das gesetzliche Rentenalter an die Lebenserwartung bei guter Gesundheit zu koppeln. Anders als die reine Lebenserwartung würde ein solcher Maßstab gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigen. Die Daten bieten jedoch keine Grundlage für die Annahme, Frankreich verfüge dabei über einen strukturellen Vorsprung gegenüber dem europäischen Durchschnitt.
Der Indikator selbst verlangt eine vorsichtige Interpretation. Er beruht nicht allein auf medizinischen Diagnosen, sondern verbindet Sterbedaten mit Befragungen. Erfasst wird, ob Menschen wegen eines gesundheitlichen Problems seit mindestens sechs Monaten in ihren üblichen Tätigkeiten eingeschränkt sind. Eurostat verweist auf Grenzen der internationalen Vergleichbarkeit: Die Formulierung der Fragen und die Bereitschaft, Einschränkungen anzugeben, können sich von Land zu Land unterscheiden. Als automatischer Maßstab für das Rentenalter wäre der Wert deshalb problematisch.
Hinzu kommt die Lage älterer Menschen. Das Länderprofil für Frankreich hält fest, dass die weitere Lebenserwartung ab 65 Jahren über dem EU-Mittel liegt. Rund die Hälfte dieser verbleibenden Lebenszeit wird jedoch mit Behinderungen oder Einschränkungen im Alltag verbracht. Mehr als 40 Prozent der über 65-Jährigen leiden an mehreren chronischen Erkrankungen.
Die Debatte trifft auf eine erneute Veränderung der Rentenpolitik. Seit dem 1. September 2026 ist die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters aus der Reform von 2023 bis 2028 ausgesetzt. Für die Jahrgänge 1964 bis 1968 gelten abhängig vom Geburtsdatum Grenzen zwischen 62 Jahren und neun Monaten sowie 63 Jahren und neun Monaten. Das Rentenalter von 64 Jahren gilt nun erst für Versicherte ab dem Jahrgang 1969.
Quellen
- Franceinfo
- Insee
- Eurostat
- Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Europäische Kommission
- Service-Public.fr
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).