Frankreich

Frankreich brennt – und Trump weiss natürlich, wer schuld ist!

Kommentar | 19. Oktober 2026 Da brennt in Frankreich ein Rathaus, und wer steht sofort mit dem politischen Feuerlöscher bereit? Donald Trump! Natürlich! Der Mann, der aus jeder Katastrophe eine Wahlkampfveranstaltung macht und aus jedem brennenden Mülleimer eine internationale Verschwörung. Und sein Vize JD Vance? Der liefert gleich die passende Gebrauchsanweisung für amerikanische Wähler mit:…

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Kommentar | 19. Oktober 2026

Da brennt in Frankreich ein Rathaus, und wer steht sofort mit dem politischen Feuerlöscher bereit? Donald Trump! Natürlich! Der Mann, der aus jeder Katastrophe eine Wahlkampfveranstaltung macht und aus jedem brennenden Mülleimer eine internationale Verschwörung. Und sein Vize JD Vance? Der liefert gleich die passende Gebrauchsanweisung für amerikanische Wähler mit: Seht her, Leute! So sieht euer Land aus, wenn ihr die Demokraten wählt!

Wunderbar! Frankreich hat soziale Unruhen, Amerika hat Zwischenwahlen, und die beiden Herren im Weissen Haus haben die Ursache bereits ermittelt. Einwanderung! Fall abgeschlossen! Ermittlungen überflüssig! Warum mühsam Fakten prüfen, wenn man auch einfach auf Truth Social herumbrüllen kann?

Willkommen bei der transatlantischen Feuerwehr der alternativen Fakten!

Am 17. Oktober gehen in Frankreich Hunderttausende Menschen auf die Strasse. Schüler protestieren gegen miserable Unterrichtsbedingungen, Arbeitnehmer gegen steigende Lebenshaltungskosten, Gewerkschaften gegen Sozialabbau. Dazu kommen gewalttätige Gruppen, die plündern, randalieren und öffentliche Gebäude anzünden.

Das ist schlimm. Das ist kriminell. Und darüber muss gesprochen werden.

Aber was macht JD Vance? Er sieht Bilder des brennenden Rathauses von Limoges und verkündet sinngemäss: Seht ihr? Das passiert, wenn progressive Politiker Einwanderung zulassen!

ACH SO!

Die Schüler protestieren also nicht wegen ihrer Schulen. Die Beschäftigten nicht wegen ihrer Kaufkraft. Die Gewerkschaften nicht wegen sozialer Missstände. Nein! Das ist alles Einwanderung!

Wahrscheinlich sind auch die französischen Haushaltsdefizite eingewandert. Die kaputten Schulen kamen vermutlich über das Mittelmeer. Und die Inflation hat sich mit einem Schlauchboot nach Marseille geschmuggelt!

Meine Güte, wie praktisch kann Politik eigentlich sein?

Trump entdeckt Frankreich – als Wahlkampfkulisse

Am 3. November wählen die Amerikaner einen neuen Kongress. Und weil es für die Republikaner politisch nicht überall glänzend aussieht, braucht man dringend ein Thema, das ordentlich knallt.

Da kommt Frankreich gerade recht.

Donald Trump schreibt: «Frankreich brennt!» Und schon ist aus einer komplexen innenpolitischen Krise der Beweis geworden, dass kulturell fremde Einwanderer angeblich ein ganzes Land zerstört hätten.

Beweise? Fehlanzeige!

Eine Untersuchung? Wozu?

Eine Differenzierung zwischen friedlichen Demonstranten, gewalttätigen Extremisten und gewöhnlichen Kriminellen? Viel zu kompliziert!

Für Trump reicht eine einfache Formel: Feuer plus Frankreich gleich Einwanderung gleich Demokraten gleich Weltuntergang.

Und Vance legt noch einen drauf. Das sei die Zukunft, die demokratische Abgeordnete Amerika bescheren wollten.

Ja, klar! Als hätten die Demokraten im Wahlprogramm stehen: «Mehr brennende Rathäuser für alle!»

Man muss sich diese Dreistigkeit einmal vorstellen. Ein amerikanischer Vizepräsident nimmt die Bilder einer französischen Krise, entfernt sämtliche französischen Ursachen und klebt ein amerikanisches Wahlkampfplakat darüber.

Das ist keine Ursachenanalyse. Das ist politisches Recycling mit Brandbeschleuniger!

Wenn Fakten stören, einfach lauter werden!

Natürlich muss Frankreich seine Probleme mit Gewalt, Integration und gesellschaftlicher Spaltung ernst nehmen. Natürlich darf man über gescheiterte Migrationspolitik diskutieren. Und selbstverständlich gehören Brandstifter vor Gericht.

Aber man sollte wenigstens wissen, wer etwas angezündet hat, bevor man gleich Millionen Menschen kollektiv verantwortlich macht!

Genau da liegt das Problem dieser amerikanischen Politshow.

Trump und Vance behaupten eine Ursache, die sie für diese Ausschreitungen nicht belegen. Aus einem brennenden Rathaus machen sie eine Warnung vor Einwanderung. Aus französischen Sozialprotesten einen amerikanischen Kulturkampf.

Und das alles mit einer Geschwindigkeit, bei der selbst ein Feuerwehrwagen mit Blaulicht nicht hinterherkäme!

Amerika zuerst – französische Probleme kostenlos dazu!

Das eigentlich Geniale an dieser Inszenierung ist ihre Bequemlichkeit.

Trump muss keine überzeugenden Antworten auf amerikanische Lebenshaltungskosten liefern. Vance muss keine komplizierten Debatten über Gesundheitspolitik oder Staatsverschuldung führen.

Stattdessen zeigen beide auf Frankreich und rufen: «Schaut mal, wie schlimm es dort ist!»

Politik als Katastrophenkino. Eintritt frei, Fakten optional!

Und während französische Feuerwehrleute tatsächliche Brände löschen, zündeln amerikanische Spitzenpolitiker an der nächsten gesellschaftlichen Spaltung.

Die Franzosen müssen nun ihre beschädigten Städte wieder aufbauen, die Täter ermitteln und die Ursachen ihrer sozialen Krise angehen.

Trump und Vance dagegen haben ihre Bilder bereits im Wahlkampf verwertet.

Denn darum geht es hier letztlich: Nicht um Frankreich. Nicht um Limoges. Nicht einmal um die Opfer der Gewalt.

Es geht um amerikanische Stimmen am 3. November.

Und wenn dafür ein französisches Rathaus brennen muss, dann wird daraus eben die passende Wahlkampfbotschaft.

Das Feuer ist echt. Die politische Beweisführung besteht aus heisser Luft.

Christine Macha

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