Politik & Gesellschaft

Frankreich befragt zehn Millionen Schüler zu sexueller Gewalt

Frankreich erweitert seinen jährlichen Fragebogen gegen Mobbing um Fragen zu sexueller Gewalt. Von November 2026 an sollen Kinder und Jugendliche von der Vorschule bis zum Abitur einen geschützten Weg erhalten, Übergriffe mitzuteilen.

Paris – 26.08.2026: Rund zehn Millionen Schülerinnen und Schüler in Frankreich sollen künftig nach möglichen Erfahrungen mit sexueller Gewalt gefragt werden. Bildungsminister Édouard Geffray kündigte an, den landesweiten Fragebogen gegen Mobbing von November 2026 an um entsprechende Fragen zu ergänzen. Die Erhebung richtet sich an Kinder und Jugendliche von der Vorschule bis zur Abschlussklasse des Lycée.

Grundsätzlich soll die Befragung anonym bleiben. Wer Unterstützung wünscht, kann jedoch den eigenen Namen angeben und so eine Kontaktaufnahme durch Fachkräfte ermöglichen. Gleichstellungsministerin Aurore Bergé zufolge werden Form und Sprache der Fragen an das Alter der Kinder angepasst. Bei den Jüngsten könnten Bilder oder Zeichnungen helfen, Erfahrungen auszudrücken; ältere Schülerinnen und Schüler sollen schriftlich oder über Auswahlfelder antworten können.

Die Erweiterung gehört zum Plan "Brisons le silence, agissons ensemble", den das Bildungsministerium im März 2025 nach Berichten über Gewalt in mehreren Bildungseinrichtungen aufgelegt hatte. Seit Mai 2026 werden bereits Schülerinnen und Schüler in Internaten zweimal jährlich sowie nach Klassenfahrten mit Übernachtung befragt. Auch dort können die Fragebögen anonym oder unter Angabe des Namens ausgefüllt werden. Sie sollen dazu beitragen, Gewalt und Misshandlungen früher zu erkennen.

Mit der Aufnahme in den regulären Mobbing-Fragebogen wird die Suche nach Warnsignalen nun in den Schulalltag ausgeweitet. Die Regierung richtet damit keinen pauschalen Verdacht gegen Einrichtungen oder Beschäftigte. Kinder sollen vielmehr eine niedrigschwellige Gelegenheit erhalten, Erlebnisse mitzuteilen, über die sie aus Angst, Scham oder Unsicherheit bislang geschwiegen haben. Bei Hinweisen auf eine akute Gefährdung greifen die vorgesehenen Schutz- und Meldewege.

Staatliche Daten lassen das Ausmaß erkennen. Nach einer im Januar 2026 veröffentlichten Auswertung berichteten in den Klassen CM1 und CM2 jeweils 15 Prozent der Kinder von voyeuristischen Übergriffen auf Toiletten im laufenden Schuljahr; acht Prozent gaben mindestens einen erzwungenen Kuss an. An den Collèges nannten 15 Prozent der Mädchen und zwölf Prozent der Jungen mindestens eine Form sexueller Gewalt.

Für die Schulen reicht es deshalb nicht, Fragebögen auszuteilen. Lehrkräfte, Schulleitungen sowie medizinische, psychologische und soziale Dienste müssen Angaben behutsam aufnehmen und gegebenenfalls Schutz organisieren. Nach Angaben des Bildungsministeriums ist das Personal verpflichtet, bei Kenntnis möglicher Straftaten zum Schutz betroffener Schüler zu handeln und erforderlichenfalls die Justiz einzuschalten.

Zum Schuljahr 2026/2027 beginnt außerdem ein nationales Fortbildungsprogramm gegen sexistische und sexuelle Gewalt. Zunächst werden Führungskräfte und besonders beteiligte Teams geschult. Ab Januar 2027 soll das Angebot schrittweise auf alle Beschäftigten des Bildungswesens ausgeweitet werden; bis Ende 2029 sollen sämtliche Beschäftigten erreicht sein.

Quellen

  • Franceinfo
  • Französisches Ministerium für nationale Bildung
  • Eduscol
  • Französisches Ministerium für Gleichstellung

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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