Prévessin-Moëns – 03.09.2026: France 2 zeichnet in der Sendereihe "13h15 le dimanche" den Fall Jean-Claude Romand nach. Die ersten beiden Teile der Dokumentation widmen sich einem der bekanntesten französischen Kriminalfälle: einem Leben, das nach außen geordnet wirkte, tatsächlich aber über Jahre auf erfundenen Angaben beruhte.
Romand hatte Angehörigen und Bekannten vorgespiegelt, Arzt und Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation in Genf zu sein. Nach den späteren Ermittlungen hatte er sein Medizinstudium jedoch nicht abgeschlossen und keine der behaupteten beruflichen Tätigkeiten ausgeübt. Achtzehn Jahre lang hielt er die Fassade aufrecht. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit Geld aus seinem Umfeld, für dessen Verwendung er immer neue Erklärungen erfand.
Am 9. Januar 1993 tötete Romand seine Ehefrau Florence, die beiden gemeinsamen Kinder und seine Eltern. Seine Frau und die Kinder starben im Haus der Familie in Prévessin-Moëns im Département Ain, nahe der Schweizer Grenze; seine Eltern lebten im Jura. Romand überlebte anschließend einen Brand in seinem Haus. Erst die Ermittlungen legten das Ausmaß seiner falschen Biografie offen.
Das Schwurgericht im Ain verurteilte Jean-Claude Romand im Juni 1996 wegen der fünf Tötungen zu lebenslanger Haft. Das Urteil sah eine Sicherungszeit von 22 Jahren vor. Der Prozess erregte große Aufmerksamkeit, weil die Täuschung so lange unentdeckt geblieben war. Romand hatte seine erfundene Existenz mit scheinbar alltäglichen Routinen abgesichert und dadurch selbst sein engstes Umfeld getäuscht.
Die Dokumentation rekonstruiert diese Routinen: vorgetäuschte Arbeitstage, angebliche Termine und Geldgeschäfte, auf die sich Angehörige im Vertrauen auf Romands erfundene Stellung eingelassen hatten. Der Rückblick folgt damit den belegten Stationen der Täuschung und beschreibt ihre Folgen für die betroffenen Familien. Spekulationen über Romands gegenwärtiges Leben sind für die Rekonstruktion nicht erforderlich.
Der Fall wurde vielfach literarisch und filmisch verarbeitet. Besonders bekannt ist Emmanuel Carrères Buch "Der Widersacher", das 2000 auf Französisch erschien und zwei Jahre später verfilmt wurde. Die neue France-2-Produktion reiht sich in diese Auseinandersetzung mit einem Verbrechen ein, dessen öffentliche Wirkung weit über das abgeschlossene Strafverfahren hinausreicht. Dabei besteht stets die Gefahr, die Täterfigur stärker zu betrachten als die Menschen, deren Vertrauen missbraucht und deren Leben ausgelöscht wurde.
Romand kam 2019 nach mehr als 25 Jahren Haft unter Auflagen frei. Medien berichteten damals unter anderem über Kontaktverbote gegenüber Angehörigen der Opfer und Beschränkungen für öffentliche Äußerungen zu den Taten. Die beiden nun bereitgestellten Folgen sind als historischer Rückblick angekündigt, nicht als Bericht über neue Ermittlungen.
Quellen
- Franceinfo / France 2, Sendereihe "13h15 le dimanche"
- Institut national de l'audiovisuel
- TF1 Info unter Berufung auf AFP
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).