Frankreich

Europas Griff zu den Sternen – nur die Raketen fehlen

Emmanuel Macron lädt die Welt ins Grand Palais, um über die Zukunft Europas im Weltraum zu sprechen. Rund 2.000 Teilnehmer aus etwa 120 Ländern sollen kommen. Staatschefs, Astronauten, Forscher, Unternehmer. Ein Gipfel der großen Ambitionen. Nur haben ausgerechnet einige derjenigen abgesagt, die heute tatsächlich Raketen in großer Zahl ins All schießen. SpaceX kommt nicht. Blue…

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Emmanuel Macron lädt die Welt ins Grand Palais, um über die Zukunft Europas im Weltraum zu sprechen. Rund 2.000 Teilnehmer aus etwa 120 Ländern sollen kommen. Staatschefs, Astronauten, Forscher, Unternehmer. Ein Gipfel der großen Ambitionen. Nur haben ausgerechnet einige derjenigen abgesagt, die heute tatsächlich Raketen in großer Zahl ins All schießen.

SpaceX kommt nicht. Blue Origin kommt nicht. Auch Stoke Space und Starcloud bleiben fern. Aus Washington soll zuvor ziemlich nachdrücklich signalisiert worden sein, dass amerikanische Unternehmen bei einem Treffen, das nach europäischer „strategischer Autonomie“ riecht, besser nicht allzu begeistert mitmachen sollten.

Das ist bemerkenswert. Früher stritten Großmächte darüber, wer zuerst auf dem Mond landet. Heute genügt offenbar schon die Vorstellung, Europa könnte irgendwann selbstständig Satelliten starten, um diplomatische Nervosität auszulösen.

Europas Autonomie beginnt mit einer Absage

Noch hübscher wird die Geschichte dadurch, dass auch Europa selbst seine Geschlossenheit demonstriert – durch Abwesenheit.

Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen Deutschland den Gipfel offiziell mitträgt, kommt nicht. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ebenfalls nicht. Ursula von der Leyen ist da. Immerhin.

So präsentiert sich Europas Raumfahrtpolitik derzeit wie so vieles in der Europäischen Union: Man beschwört gemeinsam die strategische Souveränität und achtet anschließend sehr sorgfältig darauf, dass sie möglichst nicht zu gemeinsam wird.

Frankreich setzt auf europäische Projekte wie die Satellitenkonstellation IRIS². Deutschland verfolgt daneben eigene Interessen und hält sich die Zusammenarbeit mit amerikanischen Unternehmen offen. Und während Paris und Berlin darüber diskutieren, wie europäisch Europas Weltraumpolitik sein soll, startet SpaceX weiter Raketen.

Das nennt man vermutlich Arbeitsteilung.

Die „schönen Ankündigungen“

Die französischen Gastgeber versprechen dennoch „belles annonces“ – schöne Ankündigungen.

Dieser Ausdruck besitzt eine geradezu vollendete europäische Eleganz. Denn wenn die industrielle Wirklichkeit kompliziert wird, entdeckt Europa zuverlässig seine größte verbliebene Hochtechnologie: die Erklärung.

Man wird über Weltraumverkehr sprechen, über Frequenzen, Kooperation, Regulierung und neue Trägersysteme. Alles wichtige Themen. Nur ersetzt die beste Erklärung keinen Satelliten, keine Rakete und keine Fabrik.

Europa gibt für Raumfahrt erheblich weniger aus als die Vereinigten Staaten und ist in entscheidenden Bereichen weiterhin von amerikanischer Technologie abhängig. Gleichzeitig werden Satelliten für Kommunikation, Navigation, Aufklärung und militärische Führung immer wichtiger. Raumfahrt ist längst keine romantische Angelegenheit mehr für Menschen, die nachts gern Sterne betrachten. Sie ist Infrastruktur der Macht.

Genau deshalb ist Macrons Gipfel keineswegs lächerlich. Im Gegenteil: Er ist notwendig.

Das Sarkastische daran ist nur, dass Europa einen Gipfel über seine strategische Selbstständigkeit veranstalten muss, während amerikanische Unternehmen auf politischen Wink aus Washington fernbleiben und die Europäer untereinander darüber streiten, wie viel Selbstständigkeit sie eigentlich wollen.

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieser zwei Tage in Paris. Europa muss nicht zuerst zum Mars.

Es würde fürs Erste reichen, wenn es lernte, aus eigener Kraft abzuheben.

C. Hatty

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