Paris – 24.10.2026: Die Leinwand des Pariser Grand Rex wurde am 20. Oktober zum Schauplatz einer sehr persönlichen Suche. Nicolas Trouvé, im Internet als Streamer Nico bekannt, stellte dort den Dokumentarfilm "Papa, wo bist du?" vor. Er erzählt von einem 27-Jährigen, der seinen Vater nie kennengelernt hat und sich einer Kindheit nähert, an die ihm selbst kaum Erinnerungen geblieben sind.
Trouvé wurde im Alter von drei Jahren von seiner Mutter getrennt und wuchs in Pflegefamilien und Heimen auf. Erst der Einblick in seine Akte bei der Aide sociale à l'enfance, der französischen Kinder- und Jugendhilfe, liefert ihm Anhaltspunkte. Aus Verwaltungspapieren, bruchstückhaften Erzählungen und alten Namen entsteht eine Reise, die ihn bis in den Senegal führt. Dort sucht er nach Moussa Fal, seinem leiblichen Vater.
Regie führten Basile Monnot und Samy Bouyssie. Ihr Film folgt keiner glatten Versöhnungsdramaturgie. Stattdessen macht er die Leerstellen sichtbar: das fehlende Wissen über die eigene Herkunft, die Unsicherheit von Erinnerungen und die eigentümliche Macht einer Akte, in der ein Leben auf wenigen Seiten verwaltet wird. Trouvé bleibt dabei kein bloßes Objekt der Kamera. Er treibt die Recherche selbst voran, mit Neugier, Nervosität und bisweilen dem Humor eines jungen Mannes, der gelernt hat, mit dem Ungeheuren zu leben.
Die Sondervorführung im Grand Rex war ausverkauft. Trouvé hatte Paris nach einer einmonatigen Reise von Dakar aus erreicht und präsentierte den Film persönlich. Die große Aufmerksamkeit erklärt sich teilweise aus seiner Bekanntheit im Netz: Sein Publikum kennt ihn aus Livestreams und Videos. Das Kino schafft jedoch eine andere Form der Nähe. Es gibt keine Kommentarspalte, in die sich die Betroffenheit unmittelbar auslagern ließe; im dunklen Saal bleibt zunächst die gemeinsame Stille.
Der Film verbindet die private Suche nach einem Vater mit der Erfahrung von Kindern, die außerhalb ihrer Herkunftsfamilien aufwachsen. Nach Angaben von UNICEF Frankreich erhielten 2024 rund 404.600 Kinder und junge Volljährige Unterstützung durch die Aide sociale à l'enfance. Mehr als die Hälfte der Maßnahmen umfasste eine Unterbringung außerhalb des familiären Umfelds. Die Zahlen sagen wenig über einzelne Lebenswege, markieren aber die Größenordnung eines Systems, in dem Fragen nach Herkunft und Zugehörigkeit viele Menschen begleiten.
"Papa, wo bist du?" kommt am 28. Oktober in die französischen Kinos. Mit einer Laufzeit von rund 100 Minuten lässt der Film Trouvés Geschichte jenen Raum, den kurze Internetformate selten bieten: für Umwege, Schweigen und die widersprüchliche Hoffnung, dass eine Begegnung etwas verändern kann, ohne sämtliche Fragen zu beantworten.
Quellen
- Franceinfo
- Le Grand Rex
- Praesens Film
- UNICEF Frankreich
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).