Paris – 03.09.2026: China hat Frankreich aufgefordert, den seit Anfang September geltenden Malus auf Produkte der ultra-schnellen Mode zurückzunehmen, und mit Gegenmaßnahmen gedroht. Das Handelsministerium in Peking bezeichnet die Regelung als diskriminierend und sieht darin einen möglichen Verstoß gegen die Grundsätze der Welthandelsorganisation. Die französische Regierung weist den Vorwurf zurück: Die Abgabe richte sich nicht gegen Unternehmen eines bestimmten Landes, sondern knüpfe an Umweltkriterien und Geschäftsmodelle an.
Grundlage ist das französische Gesetz zur Verringerung der Umweltauswirkungen der Textilindustrie vom 8. Juli 2026. Erfasst werden Anbieter, die besonders viele neue Modelle auf den Markt bringen und deren Produkte oder Vertriebsweise Reparaturen wirtschaftlich wenig attraktiv machen. Im Jahr 2026 kann der Aufschlag bis zur Hälfte des Verkaufspreises betragen, höchstens jedoch zwölf Euro je Artikel. Bis 2030 soll die Obergrenze auf 19,50 Euro steigen.
Betroffen sind vor allem Plattformen, die Kleidung in sehr großen Mengen, rasch wechselnden Kollektionen und zu niedrigen Preisen anbieten. Das französische Modell setzt damit nicht beim Herkunftsland an, sondern bei der ökologischen Bilanz eines Angebots. Unternehmen sollen weniger neue Artikel auf den Markt bringen, die Haltbarkeit ihrer Waren verbessern und Reparaturen erleichtern. Die Einnahmen sollen nach den gesetzlichen Vorgaben der Textilbranche und Strukturen der Kreislaufwirtschaft zugutekommen.
Für Hersteller in Frankreich ist die Abgabe dennoch kein Schutzschild gegen internationale Konkurrenz. Franceinfo verweist am Beispiel eines T-Shirts auf Herstellungskosten von rund 15 Euro in Frankreich gegenüber etwa sieben Euro in China. Einen wesentlichen Anteil an der Differenz haben die Arbeitskosten. Hinzu kommen Ausgaben für Material, Energie, Verarbeitung und kleinere Produktionsmengen. Selbst ein deutlicher Malus auf extrem günstige Importware beseitigt diesen Abstand nicht vollständig.
Französische Jeansproduzenten müssen deshalb weiterhin Käufer davon überzeugen, für lokale Fertigung mehr zu bezahlen. Sie setzen auf robustere Stoffe, nachvollziehbare Lieferketten, gute Verarbeitung und Reparierbarkeit. Zugleich stehen sie vor der Aufgabe, ihre Produktion auszuweiten, ohne die Preise so stark zu erhöhen, dass ihre Ware nur noch für eine kleine Kundengruppe erschwinglich ist.
Mit der chinesischen Reaktion erhält die umweltpolitisch begründete Maßnahme eine handelspolitische Dimension. Peking verweist neben den Interessen chinesischer Unternehmen auch auf mögliche Nachteile für französische Verbraucher. Paris hält dagegen, der Malus behandle Anbieter nach denselben Kriterien. Damit trifft der Konflikt einen empfindlichen Punkt der französischen Industriepolitik: Der Staat will den ökologischen Preis kurzlebiger Billigmode sichtbar machen, während heimische Produzenten weiterhin mit erheblich höheren Fertigungskosten ringen.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Wirtschaftsministerium
- Légifrance
- Chinesisches Handelsministerium über Xinhua
- Euronews
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).