Paris – 25.10.2026: Der literarische Herbst in Frankreich hat seine eigenen Wetterlagen: Preise, Debüts und umfangreiche Familienromane ziehen auf, während die Buchhandlungen noch nach jenen Titeln suchen, die länger bleiben als eine Saison. Franceinfo empfiehlt in einer aktuellen Auswahl sieben Romane, die von Taiwan über Dschibuti bis in das Frankreich der Belle Époque und der Zwischenkriegszeit führen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt "Als sie Männer wurden" des taiwanischen Autors Kan Yao-ming. Der erstmals auf Französisch vorliegende Roman spielt im Sommer 1945, als Taiwan noch unter japanischer Herrschaft steht und amerikanische Angriffe die Insel treffen. Zwei junge Angehörige der indigenen Bunun-Gemeinschaft träumen vom Baseball. Nach dem Tod seines Freundes gerät Halmut in eine gefährliche Expedition durch die Berge.
Das Buch verbindet Kriegsgeschichte und Trauer mit einer Natur, die weder Kulisse noch Trost ist. Kan Yao-ming nimmt einen historischen Vorfall zum Ausgangspunkt und arbeitet mit Elementen des magischen Realismus. Die französische Übersetzung von Pierre-Mong Lim erschließt dem französischen Publikum damit einen Autor, der in Taiwan seit Jahren zur Gegenwartsliteratur beiträgt.
Einen ganz anderen Ton schlägt Iman Ahmed mit ihrem Debüt "Abdallah Superstar" an, das Ende August bei Actes Sud erschien. Zwei Jahre nach dem Tod ihres Vaters öffnet die Erzählerin dessen YouTube-Kanal. Dort stößt sie auf Konzertmitschnitte, Videoclips und eine beinahe verschwundene Popwelt aus dem Dschibuti der neunziger Jahre. Eine zentrale Rolle spielt die Gruppe Dinkara mit ihrem Sänger Abdallah Lee.
Aus den digitalen Fundstücken entsteht eine Familienforschung zwischen Poitiers und Dschibuti. Der Vater, nach einem Schlaganfall in Frankreich weitgehend verstummt, erscheint rückblickend als Tontechniker und Förderer einer lebhaften Musikszene. Der Roman erkundet behutsam, wie Erinnerung weitergegeben werden kann, wenn Stimmen fehlen und Bilder mehr zu wissen scheinen als die Angehörigen.
Mit "Lehm und Feuer" legt Ian Manook einen weit ausgreifenden historischen Roman vor. Die Jugendfreunde Albert und Edmond lieben dieselbe Frau. Aus ihrer Rivalität entwickelt sich eine Familiengeschichte, die von den Steinbrüchen der Picardie über das anarchistische Paris bis in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs reicht. Der im Oktober veröffentlichte, 576 Seiten starke Band setzt bewusst auf ein großes erzählerisches Panorama.
Frédéric Schiffter führt in "Ein anarchistisches Herz" ins Paris des Jahres 1935 und in das republikanische Spanien von 1936. Die junge Lehrerin Marie Léger beginnt als Beobachterin ihres geordneten Lebens und wird durch den Krieg zur politischen Zeugin. Die von Franceinfo ausgewählten Bücher durchqueren damit sehr verschiedene Erfahrungsräume: Geschichte und Exil, Musik und Begehren erhalten jeweils eine eigene literarische Form.
Quellen
- Franceinfo
- Éditions du Seuil
- Actes Sud
- Éditions Albin Michel
- Le Cherche Midi via Google Books
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).