Kultur

Regisseur Tony Gatlif mit 77 Jahren gestorben

Der französische Filmemacher Tony Gatlif ist in Arles gestorben. Mit Filmen wie "Gadjo Dilo" und "Exils" schuf er ein Kino der Musik, des Aufbruchs und der Freiheit.

Arles – 04.09.2026: Der französische Regisseur Tony Gatlif ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Nach Angaben seiner Familie starb der Filmemacher am Mittwoch, dem 2. September, in Arles an den Folgen eines gesundheitlichen Problems. Bis zuletzt habe er an einem historischen Filmprojekt gearbeitet. Mit ihm verliert das französische Kino einen eigenwilligen Chronisten von Musik, Migration und unbequemer Freiheit.

Gatlif wurde 1948 in Algier geboren und kam 1962 nach Paris. Der Sohn eines kabylischen Vaters und einer Roma-Mutter machte die Erfahrung von Ausgrenzung und Ortswechsel zum Stoff seiner Kunst. Seine Filme waren keine soziologischen Lehrstücke, sondern fiebrige Reisen: voller Stimmen, Tänze, Straßenstaub und jener Melancholie, die entsteht, wenn Heimat stets auch Aufbruch bedeutet.

Seit 1975 realisierte Gatlif rund 25 Filme. Früh erreichte er mit "Les Princes" ein größeres Publikum. International bekannt wurde er vor allem durch "Gadjo Dilo" aus dem Jahr 1997, in dem Romain Duris als Fremder in ein rumänisches Dorf gerät. Der Film verbindet eine Liebesgeschichte mit einer intensiven Annäherung an die Musik und die Lebenswelten der Roma.

Seinen größten Festivalerfolg erzielte Gatlif 2004 mit "Exils". Für das Roadmovie über zwei junge Franzosen auf dem Weg nach Algerien erhielt er bei den Filmfestspielen von Cannes den Preis für die beste Regie. Die Reise an den Ort der Familiengeschichte wird darin zur Suche nach einer Sprache für Herkunft, Begehren und Fremdheit. Zugleich verhandelt der Film die schmerzhafte Nähe zwischen Frankreich und Algerien, ohne sie in eine einfache politische Botschaft aufzulösen.

Auch "Latcho Drom", sein 1993 erschienener Musikfilm ohne herkömmliche Handlung, prägte sein Werk. Gatlif folgte Musikerinnen und Musikern von Indien über Ägypten und Osteuropa bis nach Spanien und Frankreich. Der Titel bedeutet auf Romanes "Gute Reise". Bei ihm klang diese Formel nie touristisch, sondern wie eine zärtliche Verpflichtung zum Weitergehen.

Die Verleiherin Régine Vial würdigte am Freitag bei France Inter die internationale Kraft seiner Filme. Gatlifs Werk werde weltweit fortleben, sagte sie. Es trage die Themen Exil und Freiheit in besonders konzentrierter Form. Diese Verbindung aus künstlerischer Unruhe und musikalischer Genauigkeit gab seinem Kino einen Ton, der sich jeder glatten Einordnung entzog.

Die Familie erinnerte in ihrer Erklärung an Gatlifs Großzügigkeit, seine Freude, seine Poesie und seine Liebe zur Musik. Diese Eigenschaften waren auch auf der Leinwand zu spüren: Seine Figuren sprechen oft wenig, doch ihre Körper, Lieder und Blicke erzählen umso mehr. Tony Gatlif hinterlässt ein Kino, das Grenzen nie als letzte Linie verstand.

Quellen

  • franceinfo
  • AFP
  • Le Monde
  • France Inter

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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