Marseille – 26.10.2026: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat bei einem Besuch in Marseille Fehler bei der Vorbereitung auf die Ausschreitungen vom 17. Oktober eingeräumt. Neun Tage nach den Plünderungen und Sachbeschädigungen besichtigte er das Rathaus und traf anschließend in der Präfektur Vertreter der Sicherheitsbehörden, der Kommunalpolitik und der Wirtschaft. Der Staatschef sprach von einer Rückkehr zur öffentlichen Ordnung, ohne einen Ausnahmezustand auszurufen.
Macron sagte, der Staat habe die Lage am 17. Oktober nicht ausreichend vorausgesehen. Die Kundgebungen gegen steigende Lebenshaltungskosten waren in mehreren französischen Städten von Gewalt begleitet worden. In Marseille wurden öffentliche Gebäude und Geschäfte beschädigt. Auch in das Rathaus drangen Gewalttäter ein. Die Opposition und Teile des Regierungslagers hatten der Exekutive daraufhin schwere Versäumnisse bei der Einschätzung der Risiken und der Planung des Polizeieinsatzes vorgeworfen.
Den Einsatz bei den Demonstrationen vom 24. Oktober stellte der Präsident als Gegenmodell dar. Nach seiner Darstellung gelang es den Behörden, das Demonstrationsrecht zu wahren und zugleich Geschäftsviertel sowie öffentliche Gebäude besser zu schützen. Die Präfektur des Départements Bouches-du-Rhône berichtete von einem weitgehend geordneten, genehmigten Demonstrationszug, registrierte später jedoch einzelne Sachbeschädigungen und Plünderungen. Die geringere Zahl von Zwischenfällen bedeutet daher noch keine vollständige Entspannung.
Für die nächste angekündigte Mobilisierung am 31. Oktober will die Regierung Demonstrationszüge außerhalb der Innenstädte verlaufen lassen. Macron begründete den Kurs mit dem Schutz von Geschäften, Anwohnern und kommunaler Infrastruktur. Damit würden die üblichen Routen durch zentrale Einkaufs- und Verwaltungsviertel verändert. Das Versammlungsrecht solle nach Darstellung des Präsidenten gleichwohl nicht grundsätzlich eingeschränkt werden. Die Behörden müssen somit zwischen dem Schutz friedlicher Proteste und der Abwehr erneuter Gewalt abwägen.
Ein weiterer Teil des Besuchs galt den wirtschaftlichen Folgen der Ausschreitungen. Macron sagte betroffenen Händlern, Handwerksbetrieben und besonders belasteten Kommunen Unterstützung zu. Die Handelskammer von Marseille hatte nach den Ereignissen vom 17. Oktober von rund 500 betroffenen Geschäften berichtet. Darunter waren demnach 317 Läden, die beschädigt oder geplündert worden waren. An dem Treffen in der Präfektur nahmen deshalb neben Behördenvertretern auch Wirtschaftsverbände und Händlerorganisationen teil.
Mit seinem Auftritt übernahm Macron öffentlich Verantwortung für Mängel beim ersten Einsatz und verlagerte die Debatte zugleich auf die Vorbereitung weiterer Proteste. Innenminister Laurent Nuñez war bereits wegen der Einsatzplanung unter Druck geraten. Die Regierung setzt nun auf mehr Polizeipräsenz, veränderte Demonstrationsrouten und gezielten Schutz gefährdeter Gebäude, während Hilfen für die geschädigten Betriebe vorbereitet werden.
Quellen
- LCP – Assemblée nationale
- Public Sénat
- La Tribune
- Métropole Aix-Marseille-Provence
- Le Monde
- Anadolu
- TV5 Monde
- Journal du Net
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).