Politik & Gesellschaft

Frankreich will Parcoursup ersetzen und Schulklassen verkleinern

Nach den Schülerprotesten kündigt Bildungsminister Édouard Geffray ein neues Zulassungssystem, zusätzliche Studienplätze und kleinere Klassen an. Der Rassemblement National wirft der Regierung vor, dem Druck einer Minderheit nachzugeben.

Paris – 26.10.2026: Nach wochenlangen Protesten von Schülerinnen, Schülern und Studierenden hat die französische Regierung ein umfangreiches bildungspolitisches Paket angekündigt. Bildungsminister Édouard Geffray und Hochschulminister Philippe Baptiste wollen die umstrittene Studienzulassungsplattform Parcoursup zur Bewerbungskampagne 2028 durch ein neues System ersetzen. Schon 2027 sollen die Auswahlkriterien verständlicher veröffentlicht und Ablehnungen begründet werden.

Damit greift die Regierung eine zentrale Forderung der Protestbewegung auf. Deren Vertreter kritisieren das bisherige Verfahren als intransparent und sozial selektiv. Ein Reformkomitee, an dem Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte beteiligt werden sollen, soll bis Ende November erste Vorschläge vorlegen. Für Mittwoch, den 28. Oktober, ist in der Nationalversammlung zudem eine Debatte ohne Abstimmung über Studienorientierung und Zulassung vorgesehen.

Das Paket umfasst 15.000 zusätzliche Studienplätze in den Jahren 2027 und 2028. Davon sollen 10.000 in höheren technischen Bildungsgängen, 4.000 an technischen Hochschulinstituten und 1.000 in gesundheitsbezogenen Studienangeboten entstehen. Für die neuen technischen Bildungsgänge plant die Regierung mehr als 1.200 zusätzliche Lehrkräfte.

Auch an den Gymnasien sind Veränderungen vorgesehen. Von 2027 an sollen die Klassen der allgemeinen und technischen Sekundarstufe an der Hälfte der sozial am stärksten benachteiligten Schulen auf 28 Jugendliche begrenzt werden. Ab 2028 soll diese Obergrenze landesweit gelten. Dafür will die Regierung geplante Stellenstreichungen im Sekundarbereich zurücknehmen und im Haushaltsentwurf für 2027 weitere 500 Lehrerstellen vorsehen.

Für die Sanierung von Gymnasien sollen bis 2030 Darlehen in Höhe von vier Milliarden Euro bereitstehen, für Hochschulcampus bis 2029 eine Milliarde Euro. Sozialstipendien für Studierende sollen vom Studienjahr 2027 an entsprechend den Lebenshaltungskosten und den Einkommensgrenzen der Familien angepasst werden. Nach Regierungsangaben wären dafür 2027 zusätzlich 37 Millionen Euro erforderlich.

Der Rassemblement National wertet die Ankündigungen als politisches Zurückweichen. Aleksandar Nikolic, Europaabgeordneter und Sprecher der Präsidentschaftskampagne von Marine Le Pen, sagte bei Franceinfo, die Regierung habe einer aktiven Minderheit nachgegeben. Die Regierung wiederum verweist auf den institutionellen Dialog mit den Jugendlichen.

Mehr Mitsprache gehört ebenfalls zum Paket: Die Zahl der Schülervertreter im Obersten Bildungsrat soll verdoppelt werden; außerdem sollen Jugendliche in akademischen Bildungsräten vertreten sein. Viele Vorhaben stehen allerdings unter Haushaltsvorbehalt. Ihre Finanzierung hängt damit wesentlich von den parlamentarischen Beratungen über den Haushalt 2027 ab.

Quellen

  • Franceinfo
  • Ministerium für nationale Bildung
  • Le Monde

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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