Paris – 29.08.2026: Hervé Morin erhöht den Druck auf die Parteien der rechten Mitte und des Zentrums, sich frühzeitig auf ein gemeinsames Auswahlverfahren für die Präsidentschaftswahl 2027 zu verständigen. Der Präsident der Region Normandie fordert eine offene Vorwahl. Der Kandidat dieses Lagers müsse noch vor Weihnachten 2026 bestimmt werden. Wer eine Vorwahl ablehne, trage erhebliche Verantwortung für eine mögliche Zersplitterung, sagte der frühere Verteidigungsminister Franceinfo.
Morin, Vorsitzender der Partei Les Centristes, hatte seinen Vorstoß bereits mit einer Petition und öffentlichen Appellen vorbereitet. Sein Modell orientiert sich an der offenen Vorwahl von 2016, mit der die konservative Rechte und das Zentrum damals ihren gemeinsamen Bewerber bestimmten. Nach seiner Vorstellung sollten alle französischen Wahlberechtigten teilnehmen dürfen, nicht allein Parteimitglieder. Das könnte dem Verfahren eine breitere Legitimation verschaffen, würde aber zugleich die politische und organisatorische Abstimmung erschweren.
Der Vorschlag reicht über die traditionellen bürgerlichen Parteien hinaus. Bereits im Mai brachte Morin ein Bewerberfeld zur Sprache, das von Sarah Knafo bis Gabriel Attal reichen könnte. Damit würden Vertreter der konservativen Rechten, des Zentrums und des bisherigen Präsidentenlagers in einem Verfahren konkurrieren. Ob diese politisch unterschiedlichen Kräfte gemeinsame Regeln und eine verbindliche Anerkennung des Ergebnisses akzeptieren, ist offen.
Die Vorwahlfrage trennt das Lager seit Längerem. Édouard Philippe, Bürgermeister von Le Havre und Vorsitzender von Horizons, hatte seine Präsidentschaftskandidatur bereits im September 2024 angekündigt und setzt auf eine direkte Bewerbung. Auch bei Renaissance, dem Mouvement démocrate und Les Républicains gibt es Vorbehalte gegen einen gemeinsamen Wettbewerb. Kritiker verweisen auf programmatische Unterschiede, persönliche Rivalitäten und die Gefahr, bestehende Konflikte vor aller Öffentlichkeit zu verschärfen.
Morins Zeitplan soll die Parteien zu einer raschen und verbindlichen Entscheidung zwingen. Bis Weihnachten bleiben knapp vier Monate, um Trägerschaft, Finanzierung, Teilnehmerkreis und Abstimmungsregeln festzulegen. Zu klären wäre auch, wer wählen darf, wie viele Wahlgänge stattfinden und ob unterlegene Bewerber verpflichtet wären, den Sieger zu unterstützen. Ohne eine solche Bindungswirkung könnte die Vorwahl ihr eigentliches Ziel verfehlen.
Hinter Morins Forderung steht eine strategische Rechnung: Mehrere Kandidaturen aus ähnlichen politischen Milieus könnten sich im ersten Wahlgang 2027 gegenseitig Stimmen nehmen. Der frühere Verteidigungsminister will deshalb verhindern, dass sich das Lager erst kurz vor der Wahl ordnet. Morin führt die Region Normandie seit 2016 und wird vom Regionalrat weiterhin als deren Präsident ausgewiesen.
Quellen
- Franceinfo
- Europe 1
- Le Journal du Dimanche
- Region Normandie
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).