Paris – 04.09.2026: Benoît Hamon führt die anhaltende Popularität des Rassemblement National auf einen Vertrauensverlust in die politische Ordnung zurück. Der frühere Bildungsminister und sozialistische Präsidentschaftskandidat von 2017 äußert diese Diagnose zum Beginn eines politischen Herbstes, der bereits von der Vorbereitung auf die Präsidentschaftswahl geprägt ist. Der erste Wahlgang findet am 18. April 2027 statt, eine mögliche Stichwahl am 2. Mai.
Hamon veröffentlicht dazu im Verlag First das Buch "Den ganzen Reichtum der Welt aufnehmen: Schluss mit den Lügen über Einwanderung". Auf 80 Seiten setzt er sich mit verbreiteten Behauptungen über Migration auseinander und hebt die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beiträge von Zugewanderten hervor. Der Titel knüpft an eine seit Jahren geführte Debatte an, in der Zuwanderung vor allem als Sicherheits- und Ordnungsfrage behandelt wird.
Der Rassemblement National versucht, die Einwanderung erneut zu einem zentralen Thema der Wahlkampagne zu machen. Seine Forderungen reichen von einer stärkeren Begrenzung des Familiennachzugs bis zu Einschränkungen sozialer Leistungen für Ausländer. Damit spricht die Partei Sorgen über öffentliche Dienste, Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt an, die über ihre eigene Stammwählerschaft hinausreichen.
Hamons Argument richtet sich weniger gegen die Existenz solcher Sorgen als gegen deren politische Verarbeitung. Wenn etablierte Parteien auf soziale Abstiegsängste, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum oder die Überlastung einzelner kommunaler Dienste keine überzeugenden Antworten gäben, gewinne eine Erzählung an Gewicht, die Einwanderung zur Hauptursache sehr unterschiedlicher Probleme erkläre. Seine These ist eine politische Bewertung und keine empirisch belegte Kausalitätsfeststellung.
Die Ausgangslage ist für die französische Linke besonders schwierig. Sie geht ideologisch und organisatorisch zersplittert in die Vorbereitung der Präsidentschaftswahl. Hamon gehört keiner aktiven Parteiführung mehr an, verfügt aber als früherer Kandidat über Erfahrung mit den Grenzen eines linken Angebots, das soziale Umverteilung, ökologische Transformation und eine offene Migrationspolitik miteinander verbinden will.
Seit 2021 arbeitet Hamon für Singa, eine Organisation, die Begegnungen zwischen Einheimischen, Geflüchteten und anderen Zugewanderten fördert. Aus dieser Perspektive verschiebt er den Akzent von Grenz- und Aufenthaltsregeln auf Integration, Arbeit, Wohnen und die Aufnahmefähigkeit der Kommunen. Das unterscheidet seinen Ansatz von einer politischen Sprache, die Migration vorrangig unter dem Gesichtspunkt der Kontrolle beschreibt.
Bis zum ersten Wahlgang bleiben gut sieben Monate. Hamons Buch erscheint damit in einer Phase, in der die Parteien ihre Programme schärfen und um die Deutung sozialer Probleme ringen. Zugleich fehlt der Linken bislang eine gemeinsame Strategie gegen den RN. Die Auseinandersetzung über Migration wird daher auch darüber geführt, wem die Wähler zutrauen, öffentliche Dienste zu stärken, Integration zu organisieren und soziale Unsicherheit wirksam zu begrenzen.
Quellen
- Französische Regierungsinformation zur Präsidentschaftswahl 2027
- Französisches Innenministerium zur Präsidentschaftswahl
- Buchhandelsangaben zu Benoît Hamons Neuerscheinung
- Ifop-Studie zu Wahlabsichten 2027
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).