Lüttich – 24.08.2026: Der belgische Satiriker, Autor und politische Provokateur Noël Godin ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Seine Lebensgefährtin bestätigte den Tod am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Godin, der unter dem Namen Georges Le Gloupier auftrat, prägte über Jahrzehnte eine ebenso populäre wie umstrittene Form der öffentlichen Satire: Er bewarf prominente Persönlichkeiten mit Sahnetorten.
Godin starb den Berichten zufolge am Sonntag, dem 23. August 2026. Der 1945 in Lüttich geborene Belgier machte die Tortenattacke zu seinem Markenzeichen. Er verstand sie als komische Bestrafung von Menschen, denen er Eitelkeit, Machtbewusstsein oder übermäßige mediale Präsenz vorwarf. Seine Aktionen waren meist vorbereitet, auf größtmögliche Aufmerksamkeit angelegt und häufig von Mitstreitern begleitet.
Zu seinen bekanntesten Zielpersonen gehörten Microsoft-Mitgründer Bill Gates, der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy und der Philosoph Bernard-Henri Lévy. Auch die Schriftstellerin Marguerite Duras, der Regisseur Jean-Luc Godard und der Sänger Patrick Bruel wurden von Godin mit Torten beworfen. Lévy traf es besonders häufig: Über mehrere Jahrzehnte wurde er wiederholt zum Ziel von Godins Aktionen.
Für seine Auftritte schuf Godin die Kunstfigur Georges Le Gloupier. In dieser bewusst überzeichneten Rolle erschien er überraschend bei öffentlichen Veranstaltungen, stieß einen charakteristischen Ruf aus und setzte die Torte als Instrument der Bloßstellung ein. Der Slapstick folgte dabei einem politischen Anspruch: Godin wollte Autoritäten ihrer Würde berauben, ohne ihnen eine ausführliche Debatte zu gönnen.
Rechtlich blieben die Attacken nicht folgenlos. Mehrere Betroffene erstatteten Anzeige. Nach einer Tortenattacke auf den französischen Politiker Jean-Pierre Chevènement wurde Godin 2002 in Frankreich wegen vorsätzlicher, geplanter Gewalt zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Verfahren markierten die Grenze zwischen satirischer Inszenierung und körperlichem Übergriff, die Godin mit seinen Aktionen bewusst austestete.
Abseits seiner Auftritte arbeitete er als Filmkritiker, veröffentlichte Bücher und wirkte in Filmen des belgischen Regisseurs Jan Bucquoy mit. Kino, Literatur, anarchistisch geprägte Polemik und Slapstick bildeten die verschiedenen Seiten seiner öffentlichen Figur. Die Sahnetorte war für ihn kein beiläufiger Gag, sondern ein wiederkehrendes Mittel gegen jene, die er für selbstgefällig hielt.
Godins Methoden blieben umstritten, doch sie machten ihn weit über Belgien hinaus bekannt. Seine letzte öffentlich dokumentierte Tortenattacke richtete sich im September 2023 in Brüssel gegen Ryanair-Chef Michael O'Leary.
Quellen
- Franceinfo
- AFP via Franceinfo
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