Kommentar

Hm, warum wohl traut man ihm das zu?

Kommentar Hm. Warum wohl traut man Jordan Bardella so etwas zu? Das ist doch eigentlich die interessanteste Frage an dieser ganzen Geschichte. Mediapart veröffentlicht Nachrichten aus den Jahren 2013 bis 2015, die Bardella zugeschrieben werden und antisemitische Verschwörungserzählungen enthalten sollen. Bardella sagt: Fälschung! „Grobe Fälschungen“ sogar. Er hat Mediapart wegen Verleumdung verklagt. Mediapart wiederum erklärt:…

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Hm. Warum wohl traut man Jordan Bardella so etwas zu?

Das ist doch eigentlich die interessanteste Frage an dieser ganzen Geschichte.

Mediapart veröffentlicht Nachrichten aus den Jahren 2013 bis 2015, die Bardella zugeschrieben werden und antisemitische Verschwörungserzählungen enthalten sollen. Bardella sagt: Fälschung! „Grobe Fälschungen“ sogar. Er hat Mediapart wegen Verleumdung verklagt. Mediapart wiederum erklärt: Doch, authentifiziert – und weitere Belege folgen.

Also: Bis die Beweise auf dem Tisch liegen, wissen wir nicht, wer recht hat.

Aber jetzt kommt der interessante Teil.

Warum explodiert diese Geschichte eigentlich derart?

Vielleicht, weil wir hier nicht über den Vorsitzenden des französischen Kaninchenzüchterverbandes reden. Bardella führt den Rassemblement National. Also jene Partei, die früher Front National hieß und deren Gründer Jean-Marie Le Pen jahrzehntelang dafür sorgte, dass man beim Wort „Entdämonisierung“ überhaupt erst erklären musste, welcher Dämon denn gemeint sein könnte.

Und jetzt ruft die Parteiführung: UNVORSTELLBAR! AUSGERECHNET BEI UNS!

Ja. Hm.

Warum wohl traut man ihm das zu?

Marine Le Pen hat schließlich jahrelang versucht, die Partei von der Vergangenheit ihres Vaters zu lösen. Der RN soll heute staatstragend wirken: Anzug, Krawatte, Europaabgeordnete, Israel-Reisen – Vergangenheit erledigt.

Und dann tauchen angebliche Nachrichten eines jungen Bardella auf.

Das Problem ist deshalb größer als Bardella. Sollten sie authentisch sein, träfen sie genau den empfindlichsten Punkt der politischen Lebensversicherung des RN: die Behauptung, mit dem alten Front National ideologisch gebrochen zu haben.

Sollten sie gefälscht sein, wäre das allerdings ebenfalls ein politischer Skandal. Deshalb braucht es Beweise statt Reflexe.

Und Emmanuel Macron? Der steigt natürlich sofort auf die ganz große republikanische Kanzel: Solche Aussagen seien „äußerst schwerwiegend und inakzeptabel“, der RN müsse Klarheit schaffen.

Ja, Monsieur le Président. Aber vielleicht erst einmal klären, wer sie tatsächlich geschrieben hat.

Denn Antisemitismus ist zu ernst für Wahlkampftheater – egal von welcher Seite.

Also warten wir auf das, was in dieser herrlich überdrehten Affäre beinahe altmodisch wirkt:

Beweise.

Und bis dahin steht diese kleine, unangenehme Frage im Raum:

Hm. Warum wohl traut man ihm das überhaupt zu?

P.T.

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