Port-Vila – 02.09.2026: Zwei karge Vulkaninseln im Südpazifik beschäftigen nun den Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Vanuatu hat nach Angaben seiner Regierung ein Verfahren gegen Frankreich eingeleitet. Es geht um die Souveränität über Matthew und Hunter, die Vanuatu Umaenupne und Umaeneg oder Leka nennt, sowie um die maritime Grenze zum französischen Überseegebiet Neukaledonien.
Die unbewohnten Eilande liegen rund 300 Kilometer südlich von Vanuatu und etwa 400 Kilometer östlich von Neukaledonien. An Land sind sie klein und schwer zugänglich. Ihr politischer und wirtschaftlicher Wert liegt vor allem im umliegenden Meer: Die territoriale Zuordnung kann beeinflussen, welcher Staat ausschließliche Wirtschaftszonen ausweisen und Rechte am Meeresboden beanspruchen darf. Betroffen sind damit weit größere Flächen als die Inseln selbst.
Port-Vila betrachtet beide Inseln als Teil seines historischen und traditionellen Gebiets. Vanuatus stellvertretender Regierungschef Johnny Koanapo erklärte, der Schutz der territorialen Unversehrtheit gehöre zum Kern staatlicher Eigenständigkeit. Die Regierung verbindet ihre Forderung zudem mit der Frage, ob die Bevölkerung der damaligen Neuen Hebriden an früheren Entscheidungen über die Inseln angemessen beteiligt war.
Frankreich hält an seinem Souveränitätsanspruch fest und ordnet Matthew und Hunter Neukaledonien zu. Das Außenministerium in Paris bekräftigte diese Position zuletzt am 2. Juli 2026. Beide Staaten hatten in den vergangenen Jahren über die Seegrenze und den Status der Eilande verhandelt, jedoch keine gemeinsame Lösung gefunden.
Der Konflikt reicht in die Zeit vor Vanuatus Unabhängigkeit im Jahr 1980 zurück. Frankreich und Großbritannien verwalteten die Neuen Hebriden damals gemeinsam. Paris beruft sich auf eine Vereinbarung von 1965, nach der Matthew und Hunter Neukaledonien zugerechnet wurden. Vanuatu bestreitet, dass diese Regelung seine heutigen Ansprüche ausräumt oder ohne Weiteres bindend ist.
Im Juli 2025 hatten Präsident Emmanuel Macron und Vanuatus Regierungschef Jotham Napat in Paris noch eine rasche und pragmatische Einigung über die offene Grenzfrage angekündigt. Fachleute beider Länder sollten die Gespräche fortsetzen. Mit dem Gang nach Den Haag verlagert Vanuatu den seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt nun von der diplomatischen auf die rechtliche Ebene.
Der Internationale Gerichtshof entscheidet über Streitigkeiten zwischen Staaten, sofern seine Zuständigkeit gegeben ist. Nach dem Antrag Vanuatus soll er sowohl die Souveränität über die Inseln als auch die Abgrenzung der betroffenen Meeresräume klären. Frankreich hatte zunächst keine Stellungnahme zu dem eingeleiteten Verfahren veröffentlicht.
Quellen
- Franceinfo
- Regierungsbüro des Premierministers von Vanuatu
- Französisches Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten
- Élysée-Palast
- Vereinte Nationen, Abteilung für Meeresangelegenheiten und Seerecht
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).