Paris – 28.08.2026: Die französische Regierung erwägt, bestimmte Renten im Jahr 2027 schwächer anzuheben als die Verbraucherpreise. Arbeits- und Solidaritätsminister Jean-Pierre Farandou sagte am Freitag, eine vollständige Anpassung der Pensionen an die Inflation stelle angesichts der Haushaltslage ein wirtschaftliches Problem dar. Bei jährlichen Ausgaben von rund 400 Milliarden Euro könne bereits eine begrenzte Abweichung von der bisherigen Regel erhebliche Einsparungen bringen.
Farandou appellierte an die Solidarität älterer Menschen. Auch sie sollten zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen und der Sozialversicherung beitragen. Einen Gesetzentwurf, einen Einkommensschwellenwert oder eine konkrete Berechnung legte der Minister nicht vor. Offen ist daher, ob die Regierung eine vollständige Aussetzung der Anpassung, eine geringere Erhöhung oder eine nach Rentenhöhe gestaffelte Regelung anstrebt.
Christian Bourreau, Präsident der Union Française des Retraités, wies den Vorstoß als diskriminierend zurück. Seine Organisation lehnt es ab, Ruheständler allein aufgrund ihres Alters stärker zu belasten. Die Kritik berührt einen wesentlichen Punkt: Unter den Rentnern finden sich sowohl Menschen mit niedrigen Bezügen als auch Haushalte mit hohen Einkommen oder beträchtlichem Vermögen.
Zur Debatte steht die gesetzliche Anpassung der Grundrenten. Bei einer Unterindexierung steigen diese zwar weiter, jedoch langsamer als die Preise. Werden die Zahlungen eingefroren, bleiben sie nominal unverändert und verlieren bei anhaltender Inflation an Kaufkraft. Das Institut für öffentliche Politik weist darauf hin, dass beide Instrumente unterschiedliche Verteilungswirkungen haben und deshalb getrennt bewertet werden müssen.
Ähnliche Einsparungen waren bereits im Entwurf des Finanzierungsgesetzes für die Sozialversicherung 2026 vorgesehen. Demnach sollten die Grundrenten zunächst eingefroren und ab 2027 jährlich um 0,4 Prozentpunkte weniger stark als die Inflation erhöht werden. In den parlamentarischen Beratungen setzte sich dieser Plan nicht durch. Der Widerstand belegte, wie heikel Eingriffe in laufende Rentenansprüche politisch sind.
Nach Angaben des Senats beliefen sich die Ausgaben der gesetzlichen Grundrentensysteme und des Fonds de solidarité vieillesse im Jahr 2025 auf 304 Milliarden Euro. Unter Einbeziehung verpflichtender Zusatzsysteme und staatlicher Ausgleichszahlungen lagen die gesamten Rentenausgaben demnach bei mehr als 420 Milliarden Euro.
Farandou stellte zugleich klar, dass die Sozialleistung Revenu de solidarité active und die Mindestalterssicherung Aspa weiterhin an die Inflation angepasst werden sollen. Damit wären besonders einkommensschwache Haushalte ausgenommen. Ob und ab welcher Höhe andere Renten im Budget 2027 langsamer steigen, wird nach Angaben des Ministers innerhalb der Regierung noch geprüft.
Quellen
- Franceinfo
- Boursorama mit AFP
- Institut für öffentliche Politik
- Assemblée nationale
- Sénat
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).