Politik & Gesellschaft

Michel Barnier würdigt Édouard Balladur als Staatsmann

Nach dem Tod des früheren französischen Premierministers Édouard Balladur erinnert Michel Barnier an dessen zurückhaltenden Regierungsstil. Balladur starb im Alter von 97 Jahren.

Paris – 01.09.2026: Der frühere französische Premierminister Édouard Balladur ist am Montag, dem 31. August, im Alter von 97 Jahren gestorben. Michel Barnier würdigte seinen einstigen Regierungschef am Dienstagmorgen im Sender France Inter als Staatsmann, für den Würde und Respekt zum politischen Selbstverständnis gehört hätten. Balladur sei eher zum Regieren als für Wahlkämpfe und populistische Inszenierungen geschaffen gewesen, sagte Barnier.

Die Würdigung gilt einem Politiker, dessen Stil in der französischen Rechten über Jahrzehnte mit Sachlichkeit, institutioneller Zurückhaltung und wirtschaftspolitischem Liberalismus verbunden war. Balladur amtierte von 1993 bis 1995 als Premierminister unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand. Diese zweite Kohabitation der Fünften Republik verlangte eine genaue Abgrenzung zwischen dem Staatsoberhaupt und einer Regierung, die sich auf die konservative Parlamentsmehrheit stützte.

Balladurs Karriere war eng mit Georges Pompidou verbunden. Seit 1964 arbeitete er zunächst in dessen Stab in Matignon, später im Élysée-Palast. Von April 1973 bis zu Pompidous Tod im April 1974 war er Generalsekretär des Präsidialamts. Die Zusammenarbeit prägte Balladurs Vorstellung eines handlungsfähigen Staates, in dem Verwaltung, Regierung und Präsidentenamt klar umrissene Aufgaben erfüllen.

Als Wirtschafts- und Finanzminister im Kabinett Jacques Chiracs verantwortete Balladur zwischen 1986 und 1988 die Privatisierungspolitik der damaligen konservativen Mehrheit. Während seiner Amtszeit als Regierungschef folgten weitere marktwirtschaftliche Reformen. Dazu gehörte 1993 eine Neuordnung der Altersvorsorge für Beschäftigte der Privatwirtschaft, die unter anderem die erforderliche Beitragsdauer verlängerte und die Berechnung der Renten veränderte.

Politisch blieb Balladur besonders mit der Präsidentenwahl von 1995 verbunden. Seine Kandidatur führte zum Bruch mit Jacques Chirac, dessen langjähriger Weggefährte und Minister er gewesen war. Balladur schied nach dem ersten Wahlgang aus; Chirac gewann anschließend die Stichwahl. Die Auseinandersetzung ordnete die Kräfteverhältnisse innerhalb der gaullistischen Rechten neu und belastete persönliche Bündnisse über Jahre.

Barnier gehörte dem Kabinett Balladur von 1993 an als Umweltminister an. Seine Würdigung ist daher auch das Urteil eines unmittelbaren Mitarbeiters. Er erinnerte daran, dass Balladur Persönlichkeiten unterschiedlicher politischer Herkunft in seiner Regierung versammelt habe. Auch die Sozialistische Partei würdigte ihn trotz grundlegender wirtschafts- und sozialpolitischer Gegensätze als Diener des Staates und Republikaner. Sie hob insbesondere sein institutionelles Zusammenwirken mit Mitterrand während der Kohabitation hervor. Balladur gehörte zu jener politischen Generation, die noch in unmittelbarer Nähe zu den frühen Präsidenten der Fünften Republik wirkte.

Quellen

  • Franceinfo
  • Reuters
  • Institut Georges Pompidou
  • Parti socialiste
  • Le Monde

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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