Paris – 30.08.2026: Der französische Lehrergewerkschaftsverband SNALC hat die jüngsten Ankündigungen zu höheren Gehältern im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2027 zurückhaltend aufgenommen. Gewerkschaftspräsident Jean-Rémi Girard sagte am Sonntag, man werde die politischen Zusagen an ihrer Umsetzung messen. Der wichtigste Auftrag bestehe darin, die Attraktivität des Lehrerberufs zu erhöhen und die Arbeitsbedingungen an den Schulen zu verbessern.
Auslöser sind Vorschläge von Gabriel Attal, dem Vorsitzenden von Renaissance, und Édouard Philippe, dem Vorsitzenden von Horizons. Philippe stellt eine Erhöhung der durchschnittlichen Vergütung von Lehrkräften um 20 Prozent innerhalb einer fünfjährigen Amtszeit in Aussicht. Vor allem in der Mitte der Berufslaufbahn soll die Bezahlung mindestens an den europäischen Durchschnitt heranreichen. Attal wirbt für eine mehrjährige gesetzliche Bildungsplanung, die ebenfalls höhere Einkommen für Lehrkräfte vorsehen soll.
Der SNALC bestreitet die Notwendigkeit einer finanziellen Aufwertung keineswegs, verlangt jedoch Klarheit über Umfang, Zeitplan und Gegenfinanzierung. Girard verweist darauf, dass sich die Debatte häufig auf Berufseinsteiger konzentriere, während Lehrkräfte mit langer Berufserfahrung von früheren Maßnahmen nur begrenzt profitiert hätten. Eine dauerhaft bessere Personalgewinnung erfordere daher eine nachvollziehbare Entwicklung der gesamten Gehaltsskala.
Den Hintergrund der Auseinandersetzung liefern jüngste Daten des Bildungsministeriums. Nach einer im August veröffentlichten Untersuchung der Statistikabteilung DEPP lag das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen verbeamteter oder vergleichbar beschäftigter Lehrkräfte 2024 bei 3.090 Euro. Der Wert umfasst allerdings Zulagen und hängt stark von Schulart, Dienstalter, Arbeitszeit sowie zusätzlich vergüteten Aufgaben ab. Als allgemeiner Maßstab für die reguläre Bezahlung ist er deshalb nur eingeschränkt aussagekräftig.
Seit 2023 wurden die Vergütungen teilweise angehoben und zusätzliche Zahlungen an freiwillig übernommene Sonderaufgaben geknüpft. Das sogenannte Lehrerpaket vergütet einzelne Zusatzaufträge mit 1.250 Euro brutto im Jahr. Gewerkschaften kritisieren seit Einführung des Instruments, dass eine an Mehrarbeit gebundene Einkommenssteigerung die hohe Belastung nicht mindere. Zudem wirke das Modell je nach Beschäftigungsgruppe und Möglichkeit zur Übernahme weiterer Aufgaben unterschiedlich.
Für die erstmals nach reformierten Regeln abgehaltenen Lehramtsprüfungen 2026 meldete das Ministerium zwar bessere Bewerberzahlen. Damit sind die Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen, der Verteilung qualifizierter Lehrkräfte und der Personalausstattung von Schulen in sozial belasteten Gebieten jedoch nicht behoben.
Der SNALC verlangt deshalb eine allgemeine, über die gesamte Berufslaufbahn wirksame Aufwertung. Höhere Bezüge dürften weder durch Stellenabbau noch durch zusätzliche, faktisch verpflichtende Aufgaben finanziert werden. Die Wahlversprechen von Attal und Philippe bewertet die Gewerkschaft erst dann als Fortschritt, wenn Finanzierung und konkrete Umsetzung offengelegt sind.
Quellen
- Franceinfo
- SNALC
- Französisches Bildungsministerium
- Agence France-Presse
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).