Politik & Gesellschaft

Lehrergehälter werden zum frühen Konfliktthema der Präsidentschaftswahl 2027

Édouard Philippe und Gabriel Attal werben mit deutlichen Gehaltserhöhungen um Frankreichs Lehrkräfte. Während Attal seine Pläne auf jährlich 2,5 Milliarden Euro beziffert, setzt Philippe auf Einsparungen durch sinkende Schülerzahlen.

Paris – 26.08.2026: Eine Woche vor Beginn des neuen Schuljahres ist die Bezahlung der Lehrkräfte zum frühen Thema des französischen Präsidentschaftswahlkampfs geworden. Édouard Philippe, Vorsitzender der Partei Horizons, will die durchschnittliche Vergütung innerhalb einer fünfjährigen Amtszeit um 20 Prozent anheben. Gabriel Attal von Renaissance kündigt eine sofortige monatliche Nettoerhöhung um 200 Euro an; in der Mitte der Laufbahn soll der Aufschlag bis zu 500 Euro erreichen.

Beide ehemaligen Premierminister unter Präsident Emmanuel Macron begründen ihre Vorschläge mit dem Attraktivitätsverlust eines Berufs, in dem der Staat seit Jahren Schwierigkeiten hat, ausreichend Personal zu gewinnen. Attal fordert außerdem ein ab 2027 geltendes Programmgesetz für die Schulen. Der Bildungsminister solle für eine gesamte Legislaturperiode im Amt bleiben. Der Vorschlag reagiert auf die häufigen Wechsel an der Spitze des Ressorts seit 2022.

Der wesentliche Unterschied liegt bislang in der Finanzierung. Attals Umfeld veranschlagt für seine Besoldungsreform jährlich 2,5 Milliarden Euro. Für Philippes Ziel einer Erhöhung um 20 Prozent liegt keine vergleichbar konkrete Kostenschätzung vor. Der Bürgermeister von Le Havre verweist stattdessen auf sinkende Schülerzahlen. Sie sollen finanzielle Spielräume schaffen und zugleich kleinere Klassen ermöglichen, ohne den Staatshaushalt zusätzlich zu belasten.

Die amtlichen Projektionen bestätigen den demografischen Rückgang, nicht aber automatisch frei verfügbare Milliardenbeträge. Nach Berechnungen des Bildungsministeriums werden 2026 im Primar- und Sekundarbereich zusammen rund 161.600 Schülerinnen und Schüler weniger erwartet als 2025. Bis 2035 könnte ihre Zahl an öffentlichen Schulen und staatlich gebundenen Privatschulen um rund 1,68 Millionen oder 14,2 Prozent sinken. Regional verläuft die Entwicklung jedoch unterschiedlich; in Guyane und Mayotte wachsen Teile des Sekundarbereichs weiter.

Auch der Staat verwendet die demografischen Spielräume bislang nicht ausschließlich für Einsparungen. Der Haushalt 2026 sieht für das Bildungswesen 200 Millionen Euro mehr und fast 5.900 zusätzliche Stellen vor. Im öffentlichen Primarbereich soll die durchschnittliche Klassengröße auf 21 Kinder sinken. Nach Angaben des Ministeriums kommen dort 6,24 Lehrkräfte auf 100 Schüler, gegenüber 5,46 im Jahr 2017.

Sinkende Schülerzahlen können daher entweder kleinere Klassen, zusätzliche Förderung und eine bessere regionale Versorgung finanzieren oder Mittel für höhere Gehälter freisetzen. Beides gleichzeitig zu versprechen, erhöht den Begründungsdruck. Würden frei werdende Stellen nicht nachbesetzt, hätte dies mögliche Folgen für Unterrichtsangebot und individuelle Förderung.

Die Gewerkschaften reagierten entsprechend zurückhaltend. Elisabeth Allain-Moreno vom SE-Unsa und Sophie Vénétitay vom SNES-FSU erinnerten daran, dass Attal und Philippe bereits Regierungsverantwortung getragen haben. Eine dauerhafte Erhöhung der Grundgehälter müsste jedes Jahr im Staatshaushalt abgesichert werden; demografische Einsparungen allein bieten dafür keine Garantie.

Quellen

  • Franceinfo: Lehrergehälter im Präsidentschaftswahlkampf 2027
  • AFP via Boursorama: Attal und Philippe werben um Lehrkräfte
  • Französisches Bildungsministerium: Staatshaushalt 2026 für die Schulen
  • DEPP: Projektionen der Schülerzahlen bis 2035

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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