Paris – 26.10.2026: Frankreichs Regierung will die Hochschulplattform Parcoursup zum Studienjahr 2028 durch ein neues Zulassungsverfahren ersetzen. Bildungsminister Édouard Geffray und Hochschulminister Philippe Baptiste stellten am Montag ein Maßnahmenpaket vor, mit dem die Regierung auf die seit Ende September anhaltenden Proteste von Schülerinnen, Schülern und Studierenden reagiert. Nach ihren Angaben flossen mehr als 100.000 Beiträge aus einer landesweiten Konsultation in die Pläne ein.
Die Reform soll schrittweise erfolgen. Schon für die Bewerbungsrunde 2027 müssen die Hochschulen ihre Auswahlkriterien öffentlich und verständlich ausweisen. Abgelehnte Bewerberinnen und Bewerber sollen von Juni 2027 an eine Begründung erhalten. Außerdem ist eine intensivere Studienorientierung ab der zehnten Klasse vorgesehen. Jugendliche der Oberstufe sollen bei Hospitationstagen den Hochschulalltag kennenlernen können.
Das für 2028 geplante Zulassungssystem soll ein Reformkomitee vorbereiten, dem Jugendliche und Lehrkräfte angehören. Erste Empfehlungen werden bis Ende November 2026 erwartet; anschließend ist eine Debatte im Parlament vorgesehen. Ob die Neuordnung ein eigenes Gesetz erfordert, hängt von den Vorschlägen des Gremiums ab. Noch ungeklärt ist insbesondere, welches Gewicht Schulnoten und die fortlaufende Leistungsbewertung künftig erhalten.
Der Handlungsdruck wächst mit der Zahl der Bewerbungen. Für 2026 registrierte Parcoursup 1,046 Millionen Kandidatinnen und Kandidaten, 66.000 mehr als im Vorjahr. Mindestens ein Zulassungsangebot erhielten 603.910 Abiturientinnen und Abiturienten. Zu den wichtigsten Kritikpunkten der Protestbewegung zählen die mangelnde Nachvollziehbarkeit der Auswahl und die ungleiche Verteilung der Studienplätze.
Zwischen 2027 und 2028 sollen insgesamt 15.000 zusätzliche Studienplätze entstehen: 10.000 in höheren technischen Bildungsgängen, 4.000 in technischen Hochschulstudiengängen und 1.000 im gesundheitswissenschaftlichen Studienzugang. Für die technischen Bildungsgänge will die Regierung im Haushaltsentwurf 2027 mehr als 1.200 zusätzliche Lehrstellen beantragen. An den Universitäten sind über zwei Jahre 204 weitere Stellen geplant.
Auch an den Gymnasien kündigt die Regierung Änderungen an. In der Hälfte der sozial am stärksten benachteiligten Schulen sollen die zehnten Klassen ab dem Schuljahr 2027 auf 28 Jugendliche begrenzt werden; 2028 soll die Obergrenze landesweit gelten. Geplante Stellenstreichungen im Sekundarbereich sollen entfallen. Hinzukommen sollen 500 Lehrerstellen sowie 500 Stellen in Schulpsychologie, Pflege und Sozialarbeit.
Für die Sanierung von Schulgebäuden stellt der Staat bis 2030 Kreditlinien von bis zu vier Milliarden Euro zu Vorzugskonditionen bereit, vor allem für die Regionen als Träger der Gymnasien. Eine weitere Milliarde Euro ist bis 2029 für Hochschulcampusse vorgesehen. Stipendien sollen ab 2027 stärker an Inflation und Familieneinkommen gekoppelt werden; dafür plant die Regierung zunächst 37 Millionen Euro zusätzlich.
Quellen
- Franceinfo: Regierungspläne zur Reform von Parcoursup, 26.10.2026
- Französisches Bildungsministerium: Maßnahmen für Schülerinnen, Schüler und Studierende, 26.10.2026
- Französisches Bildungsministerium: Bilanz von Parcoursup 2026, 19.10.2026
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).