Paris – 27.08.2026: Frankreich verändert erneut die Berechnung des Energieausweises DPE zugunsten elektrisch beheizter Wohnungen. Ein am 26. August im Amtsblatt veröffentlichter Erlass senkt den Umrechnungsfaktor für Strom zum 1. Januar 2027 von 1,9 auf 1,7. Erdgas verliert damit einen Teil seines bisherigen rechnerischen Vorteils gegenüber Elektrizität.
Der Faktor überführt den Endenergieverbrauch eines Gebäudes in Primärenergie und beeinflusst dadurch unmittelbar dessen DPE-Klasse. Für Gas bleibt der Wert bei 1. Elektrische Kilowattstunden werden künftig jedoch weniger stark gewichtet. Die Änderung gilt für Energieausweise von Wohnungen ebenso wie für Energieaudits. Am tatsächlichen Verbrauch, am Wärmekomfort und an den Energiekosten der Bewohner ändert die neue Rechenweise zunächst nichts.
Es ist bereits die zweite Absenkung binnen kurzer Zeit. Zum 1. Januar 2026 war der Stromfaktor von 2,3 auf 1,9 reduziert worden. Die Regierung begründet die Reform mit dem vergleichsweise kohlenstoffarmen französischen Strommix, der vor allem auf Kernenergie und erneuerbaren Energien beruht. Die Maßnahme gehört zudem zu dem im April vorgelegten staatlichen Elektrifizierungsplan für Gebäude und Verkehr.
Nach einer dem Obersten Energierat Anfang August vorgelegten Folgenabschätzung dürfte die neue Berechnung die Zahl der energetisch besonders mangelhaften Hauptwohnungen in den Klassen F und G um etwa zehn Prozent oder knapp 300.000 Einheiten senken. Rund 200.000 Wohnungen könnten die Klasse F, weitere 100.000 die Klasse G verlassen. Für den privaten Mietwohnungsbestand erwartet die Regierung 125.000 weniger betroffene Objekte, einen Rückgang um 14 Prozent.
Für Eigentümer und Mieter hat die rechnerische Neubewertung erhebliche Folgen. Wohnungen der Klasse G dürfen seit dem 1. Januar 2025 grundsätzlich nicht mehr neu vermietet werden; für Objekte der Klasse F greift das Verbot ab 2028. Eine bessere Einstufung kann daher Vermietungsbeschränkungen aufheben oder vorgesehene Sanierungen weniger dringlich erscheinen lassen. Bereits ausgestellte Energieausweise und Audits sollen über das DPE-Audit-Observatorium der Umweltagentur Ademe kostenlos um eine Bescheinigung mit der neuen Klasse ergänzt werden können.
In der öffentlichen Konsultation äußerten insbesondere Verbände der Dämmstoff- und Heizungsbranche Kritik. Eine geänderte Rechenkonvention senke weder Wärmeverluste noch Rechnungen und könne den Anreiz zur Sanierung schwächen, argumentierten sie. Befürworter sehen dagegen eine überfällige Korrektur: Der bisherige Faktor habe elektrisch beheizte Gebäude gegenüber fossil beheizten Wohnungen systematisch benachteiligt. Der nun festgelegte Wert von 1,7 entspricht dem im europäischen Rahmen vorgesehenen nationalen Ansatz.
Quellen
- Franceinfo: Regierung verringert den DPE-Rechenvorteil von Gas
- Französisches Ministerium für ökologischen Wandel: Konsultation zum DPE-Faktor
- Französisches Ministerium für ökologischen Wandel: Elektrifizierungsplan 2026
- AFP via Connaissance des Energies: Erlass vom 19. August 2026
- Légifrance: Veröffentlichung des Erlasses
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).