Paris – 03.09.2026: Noch bevor alle Bewerbungen eingereicht sind, entzündet sich in Frankreichs sozialdemokratischem Lager ein Streit über die Fernsehdebatten vor der Präsidentschaftswahl 2027. Raphaël Glucksmann von Place publique hat bislang nur einer gemeinsamen Sendung von France 2 und France Inter am 6. Oktober zugestimmt. Seine Konkurrenten verlangen dagegen weitere Auftritte bei privaten Sendern.
Nach den derzeitigen Planungen könnten drei Debatten stattfinden: am 16. September bei TF1 und LCI, am 29. September bei BFM-TV und am 6. Oktober im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Bewerbungen für die Vorwahl sollen bis zum 15. September eingereicht werden. An dem Verfahren beteiligen sich der Parti socialiste, Place publique und die Gauche républicaine et socialiste.
Glucksmanns Umfeld begründet seine Haltung mit der von France Télévisions und France Inter verlangten Exklusivität. Die öffentlich-rechtlichen Sender wollten den Termin intensiv bewerben und daraus eine landesweit beachtete politische Veranstaltung machen. Alexandre Ouizille, sozialistischer Senator und Kommunikationsverantwortlicher Glucksmanns, verweist außerdem auf die besondere Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die demokratische Debatte.
Die übrigen bislang erklärten Bewerber überzeugt das nicht. Der Vorsitzende des Parti socialiste, Olivier Faure, die frühere Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal sowie die Abgeordneten Jérôme Guedj und Philippe Brun treten für drei Sendungen ein. Die Vorwahl müsse über die engere Parteianhängerschaft hinaus sichtbar werden, argumentieren sie. Mehrere Termine böten insbesondere weniger bekannten Kandidaten Gelegenheit, ihre Programme vorzustellen und sich einem direkten Vergleich zu stellen.
Hinter dem Streit steht auch politisches Kalkül. Glucksmann gehört zu den bekanntesten Bewerbern und gilt in diesem Kandidatenfeld als Favorit. Jede zusätzliche Debatte verschafft seinen Herausforderern Aufmerksamkeit und eröffnet ihnen weitere Möglichkeiten, seine Positionen anzugreifen. Die Auseinandersetzung über das Fernsehformat ist damit zugleich ein frühes Ringen um die Kräfteverhältnisse im sozialdemokratischen Lager.
Umstritten ist außerdem das Datum der öffentlich-rechtlichen Debatte. Der 6. Oktober liegt einen Tag nach dem vorgesehenen Ende der Registrierung für die Teilnahme am ersten Wahlgang. Kritiker wenden ein, dass der prominenteste Fernsehauftritt dann kaum noch zusätzliche Wähler zur Anmeldung bewegen könne. Glucksmanns Unterstützer setzen dem die erwartete Reichweite einer einzigen, stark beworbenen Sendung entgegen.
Bei früheren französischen Vorwahlen waren mehrere Fernsehauftritte üblich. Vor den linken Vorwahlen 2011 und 2017 fanden jeweils drei Runden vor dem ersten Wahlgang statt; bei der konservativen Kandidatenauswahl 2021 waren es vier. Offen ist neben dem Sendeplan weiterhin, wer die Organisationskommission leiten soll. Auch über diese Personalfrage haben die beteiligten Parteien noch keine Einigung erzielt.
Quellen
- Franceinfo
- LCP – Assemblée nationale
- Public Sénat
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).