Paris – 04.09.2026: Mehr als 15 Familien haben in Paris Anzeige gegen die frühere Bürgermeisterin Anne Hidalgo, den amtierenden Bürgermeister Emmanuel Grégoire und den früheren Bildungsbeigeordneten Patrick Bloche erstattet. Hintergrund sind Gewalt- und Missbrauchsvorwürfe in der schulischen Nachmittagsbetreuung. Nach Angaben der Familien ging die Anzeige am Freitag bei der Pariser Staatsanwaltschaft ein.
Die Familien werfen politischen und administrativen Verantwortlichen der Stadt vor, auf Hinweise und Vorfälle nicht angemessen reagiert zu haben. Genannt werden unter anderem mögliche Gefährdung anderer, unterlassene Hilfeleistung und die unterlassene Anzeige mutmaßlicher Straftaten gegen Minderjährige. Ob die Staatsanwaltschaft förmliche Ermittlungen einleitet, war am Freitag nicht bekannt.
Die Anzeige richtet sich nicht gegen mutmaßliche Täter aus den Betreuungseinrichtungen, sondern gegen Verantwortliche an der Spitze der Stadt. Mehrere Familien beklagen seit Monaten, Warnungen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen seien in einzelnen Schulen und Freizeiteinrichtungen nicht mit der nötigen Konsequenz bearbeitet worden. Nun soll die Justiz klären, welche Informationen in der Verwaltung vorlagen und welche Schutzmaßnahmen daraufhin ergriffen wurden.
Patrick Klugman, der Anwalt von Anne Hidalgo, wies eine strafrechtliche Verantwortung seiner Mandantin am Freitag im Radiosender France Inter zurück. Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass Hidalgo persönlich strafrechtlich verantwortlich sei. Zugleich widersprach er der Darstellung, in der Pariser Nachmittagsbetreuung habe ein verborgenes System pädokrimineller Strukturen bestanden. Damit formulierte Klugman die Verteidigerposition; über die Stichhaltigkeit der Vorwürfe ist nicht entschieden.
Emmanuel Grégoire steht als seit März 2026 amtierender Bürgermeister ebenfalls im Fokus der Anzeige. Die Stadtverwaltung hatte nach Bekanntwerden der Fälle einen Umbau der Betreuungsstrukturen angekündigt. Dazu zählen strengere Einstellungs- und Meldeverfahren, zusätzliche Fortbildungen und weitere Maßnahmen zum Schutz der Kinder. Frühere Angaben der Pariser Justiz und der Stadt verwiesen auf zahlreiche laufende Vorgänge in Einrichtungen der Hauptstadt.
Parallel zur strafrechtlichen Prüfung befassen sich politische Gremien mit der Aufarbeitung. Eine Untersuchungskommission der Stadt hat Grégoire für den 8. September zu einer Anhörung eingeladen. Hidalgo sagte ihre Teilnahme Medienberichten zufolge wegen eines Terminkonflikts ab. Auch der französische Senat will sich Mitte September mit der Prävention und Aufarbeitung von Gewalt in der schulischen Betreuung beschäftigen.
Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Die Anzeige führt zunächst zu einer Prüfung durch die Staatsanwaltschaft und bedeutet keine Feststellung persönlicher Schuld. Über den Fortgang des Verfahrens entscheidet die Pariser Staatsanwaltschaft.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Public Sénat
- Le Point
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).