Paris – 31.08.2026: Die Franceinfo-Reihe über historische Fernsehserien hat zum Abschluss ihres Sommerprogramms Marco Bellocchios "Esterno Notte" aufgegriffen. Die sechsteilige italienisch-französische Produktion von 2022 führt zurück in das Frühjahr 1978, als Aldo Moro, ein führender Politiker der italienischen Christdemokraten, auf dem Weg ins Parlament von den Roten Brigaden entführt wurde.
Der Stoff besitzt bis heute besondere Schwere. Moro hatte an einem historischen politischen Ausgleich gearbeitet: Die Christdemokraten sollten eine Regierung bilden, die von der Italienischen Kommunistischen Partei unterstützt wurde. Am 16. März 1978 überfiel ein Kommando seine Wagenkolonne in Rom und tötete die fünf Mitglieder seiner Eskorte. Es folgten 55 Tage der Gefangenschaft, in denen Italien zwischen Verhandlungsversuchen, Staatsräson und öffentlicher Verzweiflung erstarrte.
Bellocchio erzählt diese Geschichte nicht als nüchternes Protokoll. Der Titel bedeutet etwa "Außen Nacht" und bezeichnet zugleich sein erzählerisches Prinzip. Anders als in seinem Film "Buongiorno, notte" von 2003 richtet er den Blick vor allem auf jene, die sich außerhalb von Moros Versteck bewegen. Familienmitglieder, Politiker, Geistliche, Ermittler und Menschen aus dem Umfeld der Entführer geraten in den Bann einer Entscheidung, die niemand mehr souverän beherrscht.
Die Aufteilung in sechs Episoden gibt den Beteiligten Raum, ohne die Ereignisse künstlich zu beruhigen. Jede Perspektive verschiebt das Bild von Verantwortung und Ohnmacht. So entsteht keine geschlossene historische Erklärung, sondern ein Mosaik aus konkurrierenden Überzeugungen, institutionellen Zwängen und persönlichen Bindungen. Gerade diese Brüche bewahren die Serie davor, das bekannte Ende als zwangsläufig erscheinen zu lassen.
Fabrizio Gifuni spielt Moro nicht als Denkmal, sondern als verletzlichen, zunehmend isolierten Mann. Margherita Buy verleiht seiner Ehefrau Eleonora stille Entschlossenheit. Toni Servillo verkörpert Papst Paul VI., einen persönlichen Freund Moros, dessen Bitten um Rettung an den politischen und terroristischen Fronten abprallen. Die wechselnden Blickwinkel machen aus dem historischen Verbrechen ein Ensemble von Loyalität, Selbsttäuschung und Verzweiflung.
Die Roten Brigaden waren eine bewaffnete linksextreme Organisation, die während der sogenannten Bleiernen Jahre mit Entführungen, Anschlägen und Morden gegen den italienischen Staat kämpfte. Moro wurde am 9. Mai 1978 ermordet aufgefunden. Bellocchio verzichtet auf die bequeme Haltung nachträglicher Allwissenheit. Seine Serie zeichnet nach, wie Institutionen und private Beziehungen unter dem Druck des Ausnahmezustands ihre vertraute Sprache verlieren.
Auch formal bleibt "Esterno Notte" bemerkenswert unruhig und präzise. Bellocchio verbindet politische Räume, religiöse Bilder und die Enge privater Wohnungen zu einer Chronik, deren Pathos stets von Zweifel durchzogen ist. Die Franceinfo-Sendung vom 30. August greift damit ein Werk auf, das Italiens politische Gewaltgeschichte über die Wahrnehmung der Beteiligten erschließt.
Quellen
- Franceinfo – L'empire des séries
- RaiPlay
- Rai Cultura
- Arte Boutique
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).