Brasília – 25.10.2026: Brasilien wählt an diesem Sonntag im zweiten Durchgang einen Präsidenten. Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei tritt gegen Senator Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei an. Die Entscheidung betrifft die politische Führung der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas und den künftigen Umgang mit dem Amazonasgebiet. Das Oberste Wahlgericht hatte die Stichwahl für den 25. Oktober angesetzt.
Im ersten Wahlgang am 4. Oktober verfehlten beide Kandidaten die absolute Mehrheit. Flávio Bolsonaro lag nach dem nahezu vollständigen Auszählungsstand des Wahlgerichts vor Lula. Der Senator ist der älteste Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, der Brasilien von 2019 bis 2022 regierte. Lula bewirbt sich um eine weitere Amtszeit und verbindet seine Umweltpolitik eng mit Brasiliens wirtschaftlicher Entwicklung und außenpolitischer Rolle.
Beide Kandidaten versprechen, die illegale Abholzung einzudämmen. Ihre Programme unterscheiden sich jedoch bei den vorgesehenen Mitteln und beim Verhältnis zwischen Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung. Flávio Bolsonaro will die illegale Entwaldung bis 2029 beenden. Sein Programm nennt Prävention, Satellitenüberwachung, Kontrollen und die Bekämpfung von Umweltkriminalität. Zugleich stellt er einfachere Genehmigungsverfahren, zusätzliche wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten im Amazonasraum und eine Überprüfung staatlicher Umweltbehörden in Aussicht.
Lulas Programm behandelt den Waldschutz als langfristige staatliche Aufgabe. Es verbindet den Kampf gegen die Entwaldung mit dem Schutz indigener Gemeinschaften, Zahlungen für ökologische Leistungen, nachhaltiger Infrastruktur und der Finanzierung klimabedingter Schäden. Seine Regierung belebte den Aktionsplan zur Prävention und Kontrolle der Entwaldung im legalen Amazonasgebiet wieder und stärkte die Beteiligung der Umweltverwaltung an der Verfolgung illegaler Rodungen.
Unter Lula ging der Waldverlust messbar zurück. Nach Daten des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts sank die geschätzte Entwaldungsfläche im legalen Amazonasgebiet 2025 auf 5.756 Quadratkilometer. Im Vorjahr waren es 6.518 Quadratkilometer. Gelöst ist das Problem damit nicht: Illegale Landnahme, Goldabbau, Viehzucht, Holzhandel und Brandrodungen treiben die Zerstörung in mehreren Bundesstaaten weiter voran.
Flávio Bolsonaro verbindet den Kampf gegen illegale Rodungen mit einer Entwicklungsagenda, die Produzenten als Partner einbeziehen soll. Umweltverbände befürchten, dass Schutzregeln und Kontrollbehörden geschwächt werden könnten. Diese Sorge speist sich aus der Amtszeit seines Vaters: Damals wurden Programme zur Eindämmung der Entwaldung nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Agência Brasil eingestellt oder zurückgefahren.
Die Folgen reichen über Brasilien hinaus. Der Amazonas bindet große Mengen Kohlenstoff und beeinflusst die Niederschläge in weiten Teilen Südamerikas. Der Wahlausgang bestimmt damit auch, ob Brasilien den seit 2023 eingeschlagenen Kurs aus staatlicher Kontrolle, Waldschutz und internationaler Klimakooperation fortsetzt oder Rohstofferschließung und Deregulierung stärker gewichtet.
Quellen
- Franceinfo
- Tribunal Superior Eleitoral
- Agência Brasil
- Brasilianisches Ministerium für Umwelt und Klimawandel
- Brasilianisches Weltraumforschungsinstitut
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).