Paris – 27.10.2026: Frankreichs früherer Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hat die von ihm eingeführte Studienplatzplattform Parcoursup gegen die anhaltende Kritik verteidigt. Im Sender Franceinfo bezeichnete er das Verfahren als großen Fortschritt. Seine Äußerung folgt einen Tag nach der Ankündigung der Regierung, das System zur Vergabe von Studienplätzen ab dem Studienjahr 2028 durch ein neues Verfahren zu ersetzen.
Blanquer leitete das Bildungsministerium von Mai 2017 bis Mai 2022. Parcoursup wurde 2018 als Nachfolger des Zulassungsverfahrens Admission Post-Bac eingeführt. Anlass waren Engpässe an Hochschulen und die zuvor praktizierte Auslosung in überfüllten Studiengängen. Die Plattform bündelt Bewerbungen, übermittelt die Unterlagen an die Hochschulen und organisiert das Zulassungsverfahren. Über die Aufnahme entscheiden jedoch die jeweiligen Einrichtungen.
Die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu reagiert mit der geplanten Ablösung auf Proteste von Schülerinnen, Schülern und Studierenden. Bildungsminister Édouard Geffray und Hochschulminister Philippe Baptiste kündigten am 26. Oktober zunächst Änderungen für das Verfahren 2027 an. Hochschulen sollen ihre Auswahlkriterien verständlicher veröffentlichen. Ab Juni 2027 sollen Bewerberinnen und Bewerber zudem erfahren, weshalb sie abgelehnt wurden.
Ein Reformkomitee mit Lehrkräften sowie Vertretern der Schülerschaft soll bis Ende November erste Vorschläge für das Nachfolgesystem vorlegen. Anschließend ist eine parlamentarische Debatte geplant. Falls erforderlich, will die Regierung einen Gesetzentwurf einbringen. Die vollständige Einführung des neuen Verfahrens ist für 2028 vorgesehen und läge damit nach der Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027.
Die Kritik an Parcoursup richtet sich vor allem gegen Auswahlmaßstäbe, die viele Betroffene als undurchsichtig empfinden, sowie gegen den Mangel an Plätzen in stark nachgefragten Fächern. Nach Angaben des Bildungsministeriums nutzten 2026 rund 1,05 Millionen Menschen die Plattform. Beim Abschluss der Hauptphase am 11. Juli hatten 163.372 Bewerberinnen und Bewerber, 18 Prozent der Eingeschriebenen, für keinen ihrer Studienwünsche eine Zusage erhalten. Nachgelagerte Verfahren konnten einen Teil dieser Fälle auffangen, beseitigten den grundsätzlichen Kapazitätsmangel aber nicht.
Die angekündigte Reform verbindet daher eine Neuordnung des Zugangs mit zusätzlichen Studienplätzen. Für 2027 und 2028 sind insgesamt 15.000 neue Plätze vorgesehen: 10.000 in technischen Kurzstudiengängen, 4.000 in grundständigen Hochschulstudiengängen und 1.000 in den Gesundheitswissenschaften. Besonders ausgeprägt sind die Engpässe in der Region Île-de-France. Blanquer verteidigt somit die technische Architektur von Parcoursup, während die Regierung sowohl die Auswahlregeln als auch das knappe Angebot an Studienplätzen verändern will.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Bildungsministerium
- Associated Press
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).