Politik & Gesellschaft

Behindertenverband fordert nationale Reform der häuslichen Hilfe

Nach der Nationalen Behindertenkonferenz in Bobigny verlangt APF France handicap ein landesweites Verhandlungsforum zur häuslichen Assistenz und Pflege. Präsident Emmanuel Macron sagte Arbeitsgruppen zu, kündigte aber kein eigenständiges Reformverfahren an.

Bobigny – 04.09.2026: Nach der siebten Nationalen Behindertenkonferenz fordert APF France handicap ein landesweites Verhandlungsforum zur häuslichen Assistenz und Pflege. Der Generaldirektor des Verbandes, Serge Widawski, sprach bei Franceinfo von einer schweren Krise der ambulanten Unterstützung für Menschen mit Behinderung und ältere Menschen. Die Konferenz fand am Freitag im Prisme in Bobigny bei Paris unter Vorsitz von Präsident Emmanuel Macron statt.

APF France handicap verlangt ein rasch einberufenes Verfahren nach dem Vorbild der französischen Grenelle-Konferenzen, bei denen Regierung und gesellschaftliche Akteure über umfassende Reformen verhandeln. Beteiligt werden sollen der Staat, die Départements, Berufsverbände, Anbieter häuslicher Hilfen, Interessenvertretungen und Betroffene. Ziel wäre eine strukturelle Neuordnung von Finanzierung, Personalgewinnung, Ausbildung und Vertretungsdiensten.

Nach Darstellung des Verbandes fallen Unterstützungsleistungen vielerorts wegen fehlender Fachkräfte, unzureichender Angebote und schwacher Finanzierung aus. Teilweise werde selbst ein amtlich festgestellter Hilfebedarf nicht vollständig gedeckt. Die Folgen reichen über organisatorische Schwierigkeiten hinaus: Ohne verlässliche Assistenz können alltägliche Aufgaben, die medizinische Versorgung und das selbstbestimmte Leben in der eigenen Wohnung gefährdet sein.

Zusätzliches Gewicht erhält die Forderung durch eine Entscheidung der Défenseure des droits vom 26. Juni 2026. Die unabhängige Institution stellte bei der Unterstützung schwerbehinderter Menschen zu Hause wiederkehrende und systemische Mängel fest. Genannt wurden Finanzierungsdefizite, Personalmangel, unzureichende Ausbildung und Probleme bei Vertretungen. Die Entscheidung 2026-149 enthält 17 Empfehlungen an den Staat und weitere öffentliche Akteure, um Autonomie, Gesundheit und Würde besser zu schützen.

Macron stellte auf der Konferenz eine Strategie mit 65 Maßnahmen für die kommenden Jahre vor. Sie betrifft unter anderem Barrierefreiheit, Bildung, Beschäftigung und die Entlastung betreuender Angehöriger. Zudem verwies der Präsident auf die seit dem 1. Dezember 2025 geltende vollständige Kostenübernahme von Rollstühlen. Ein eigenständiges Grenelle zur häuslichen Assistenz und Pflege kündigte er jedoch nicht an. Das Thema solle in den vorgesehenen Arbeitsgruppen einen wichtigen Platz erhalten.

Damit verfolgen Regierung und Verband unterschiedliche Reformwege. Die Regierung setzt auf die Umsetzung einer breiten Maßnahmenstrategie unter Leitung der zuständigen Ministerien. APF France handicap verlangt dagegen ein klar abgegrenztes Verfahren mit eigener politischer Steuerung und verbindlicher Beteiligung der Finanzierungs- und Leistungsträger.

Die Nationale Behindertenkonferenz ist im Gesetz vom 11. Februar 2005 verankert und findet grundsätzlich alle drei Jahre statt. Sie bringt Regierung, Parlament, Kommunen, Verbände und Verwaltung zusammen. Die vorherige Konferenz wurde am 26. April 2023 abgehalten. Nach Angaben des Élysée soll die neue Strategie nun in Arbeitsgruppen konkretisiert und anschließend von den zuständigen Ministerien umgesetzt werden.

Quellen

  • Franceinfo
  • Élysée
  • Défenseure des droits
  • APF France handicap

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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