Paris – 01.09.2026: Gabriel Attal und Édouard Philippe treten vor der Präsidentschaftswahl 2027 als die sichtbarsten Bewerber aus dem bisherigen Machtzentrum hervor. Beide waren Premierminister unter Emmanuel Macron. Nach der Sommerpause gewinnt ihre Rivalität an Gewicht, weil das bürgerlich-zentristische Lager bislang weder einen gemeinsamen Kandidaten noch ein verbindliches Verfahren für dessen Auswahl besitzt.
Philippe führt die Mitte-rechts-Partei Horizons und ist Bürgermeister von Le Havre. Von Mai 2017 bis Juli 2020 stand er an der Spitze der Regierung und prägte damit die erste Phase von Macrons Präsidentschaft. Attal amtierte von Januar bis September 2024 als Premierminister. Als Generalsekretär von Renaissance führt er zudem jene Partei, die aus Macrons ursprünglicher Bewegung hervorgegangen ist.
Die gemeinsame Regierungserfahrung ist politisches Kapital und Belastung zugleich. Beide können administrative Erfahrung, europäische Kontakte und genaue Kenntnis des Staatsapparats vorweisen. Gleichzeitig müssen sie dem Eindruck entgegentreten, lediglich eine zehnjährige Präsidentschaft fortsetzen zu wollen. In der öffentlichen Debatte werden sie deshalb eng mit Macrons Bilanz bei Staatsfinanzen, öffentlicher Sicherheit, Migration und der Reformfähigkeit des Landes verbunden.
Macron darf 2027 nicht erneut antreten. Artikel 6 der französischen Verfassung begrenzt das Präsidentenamt auf zwei aufeinanderfolgende Mandate. Damit steht das von ihm seit 2017 geformte politische Lager erstmals vor einer offenen Nachfolge. Weder Renaissance noch Horizons kann für sich allein beanspruchen, organisatorischer oder programmatischer Erbe des Macronismus zu sein.
Philippe setzt auf ein Profil der Ordnung, wirtschaftlichen Angebotsorientierung und institutionellen Stabilität. Seine kommunale Verankerung in Le Havre und das Netzwerk von Horizons sollen ihm eine eigenständige Basis verschaffen. Die Partei nennt 43.000 Mitglieder, 1.400 kommunale Komitees und 55 Parlamentarier. Mit diesen Zahlen begründet sie ihren Anspruch, über die frühere Präsidentenbewegung hinaus eine dauerhafte politische Struktur aufzubauen.
Attal versucht seinerseits, Renaissance als eigenständige Kraft zu erneuern. Seit Mai 2026 tritt er offen mit Blick auf die Präsidentschaftswahl auf. Er verbindet die Verteidigung ausgewählter Reformen der Macron-Jahre mit dem Versprechen eines Neubeginns, insbesondere in der Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Sicherheitspolitik. Sein Problem ähnelt dem Philippes: Eine scharfe Abgrenzung würde die eigene Regierungsbilanz entwerten, eine zu enge Bindung an Macron könnte wechselbereite Wähler abschrecken.
Die Rivalität berührt damit die strategische Frage, ob sich das Zentrum vor dem ersten Wahlgang auf einen Bewerber verständigt oder seine Stimmen auf mehrere Kandidaten verteilt. Berichten zufolge gilt der Februar 2027 in beiden Lagern als möglicher Zeitpunkt für eine Einigung. Bislang hat sich im bisherigen Präsidentenlager jedoch kein eindeutiger Favorit herausgebildet.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Élysée-Palast
- Horizons
- Renaissance
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).