Caracas – 30.08.2026: Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez hat das neue Öl-Abkommen mit den Vereinigten Staaten gegen wachsende Kritik verteidigt. In einer Ansprache versicherte sie, die Eigentumsrechte an den venezolanischen Erdölvorkommen und die staatliche Hoheit über die Ressourcen blieben unangetastet. Die Vereinbarung solle Kapital, Technik und operative Kapazitäten mobilisieren, um die geschwächte Ölindustrie des Landes wiederzubeleben.
Rodríguez zufolge ist das Abkommen auf 25 Jahre angelegt. Angestrebt werde eine tägliche Förderung von mehr als 1,5 Millionen Barrel. Venezuela wolle seine Ölfelder, die bestehende Infrastruktur und die Erfahrung seiner Beschäftigten einbringen; von den Vereinigten Staaten sollen Investitionen und technologische Unterstützung kommen. Caracas stellt höhere Staatseinnahmen, zusätzliche Arbeitsplätze und neue Infrastrukturprojekte in Aussicht.
US-Präsident Donald Trump und die venezolanische Regierung hatten die Vereinbarung am Freitag, dem 28. August 2026, als historisch angekündigt. Nach Angaben aus Washington umfasst sie Vorkommen von rund 65 Milliarden Barrel. Das entspräche Medienberechnungen zufolge ungefähr einem Fünftel der nachgewiesenen venezolanischen Reserven. Eine vollständige Vertragsfassung wurde bislang nicht veröffentlicht.
Diese Intransparenz nährt in Venezuela erhebliche Vorbehalte. Kritiker bezweifeln, dass die zugesicherte staatliche Hoheit mit einem weitreichenden Einfluss amerikanischer Akteure auf Förderung, Vermarktung und Erträge vereinbar ist. Eine belastbare rechtliche und wirtschaftliche Bewertung setzt voraus, dass Beteiligungsquoten, Zahlungsströme, Laufzeitbedingungen sowie die Kontrolle über die einzelnen Förderprojekte offengelegt werden.
Die venezolanische Verfassung schützt Erdöl- und andere Kohlenwasserstoffvorkommen als öffentliches Eigentum des Staates. Rodríguez stellte deshalb den Unterschied zwischen dem Besitz der Ressourcen und dem Einsatz ausländischen Kapitals heraus. Die Regierung betrachtet den Vertrag als Instrument zur Sanierung einer Schlüsselbranche, die unter Sanktionen, Investitionsmangel, veralteter Technik und sinkender Leistungsfähigkeit gelitten hat. Weil Erdöleinnahmen für den Staatshaushalt und die Devisenversorgung Venezuelas zentral sind, reicht die Bedeutung des Abkommens weit über den Energiesektor hinaus.
Washington beschreibt die Vereinbarung als Teil einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Caracas. Trump erklärte, die Vereinigten Staaten erhielten die Mehrheitskontrolle über die vorgesehenen Projekte. Die venezolanische Seite spricht hingegen von einer partnerschaftlichen Entwicklung der Ölfelder. Ohne gemeinsamen Vertragstext bleibt offen, ob beide Regierungen dieselben rechtlichen und wirtschaftlichen Befugnisse meinen.
Rodríguez bezifferte die möglichen venezolanischen Staatseinnahmen auf 209 Milliarden US-Dollar und die privaten Investitionen auf rund 100 Milliarden US-Dollar. Auch diese Prognosen lassen sich anhand öffentlich zugänglicher Dokumente bislang nicht überprüfen. Belegt ist vorerst nur das politische Ziel: Caracas will seine Förderkapazität kräftig ausbauen, während Washington Zugang zu einem bedeutenden Teil der größten bekannten Ölreserven der Welt erhalten soll.
Quellen
- Franceinfo
- Venezolanisches Ministerium für Auswärtige Beziehungen
- Associated Press
- EFE
- El País
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).