Paris – 25.08.2026: Frankreichs Unternehmer wollen frühzeitig Einfluss auf die wirtschaftspolitische Debatte vor der Präsidentschaftswahl 2027 nehmen. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer einer landesweiten Konsultation sprechen sich für eine geringere steuerliche Belastung und eine beschleunigte Reindustrialisierung des Landes aus. Die Befragung führte OpinionWay im Auftrag des Arbeitgeberverbands Medef durch. Nach dessen Angaben beteiligten sich mehr als 65.000 Unternehmensleitungen.
Die Ergebnisse sollen am 27. August bei der Rencontre des Entrepreneurs de France, der jährlichen Wirtschaftstagung des Medef, vorgestellt und mit Politikern erörtert werden. Die zweitägige Veranstaltung beginnt am 26. August im Stade Roland-Garros in Paris. Für den Abschluss ist eine Debatte mit sieben Persönlichkeiten angekündigt, die sich bereits als Bewerber für die Präsidentschaftswahl 2027 positioniert haben.
Die Konsultation lief nach Angaben des Verbands vom 15. April bis zum 15. Juli. Gefragt wurde nach den Bedingungen für Investitionen, Beschäftigung, Innovation und Produktion in Frankreich. Der Medef will daraus Forderungen für den beginnenden Wahlkampf ableiten. Die Resultate bilden allerdings die Ansichten der teilnehmenden Unternehmensleitungen ab; sie sind weder eine repräsentative Befragung der Gesamtbevölkerung noch ein allgemeines Stimmungsbild zur Präsidentschaftswahl.
Mit dem Ruf nach Entlastungen greift der Verband eine seit Jahren geführte Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit französischer Unternehmen auf. Er kritisiert vor allem Produktionsabgaben, komplexe steuerliche Regeln und administrative Vorgaben, die Investitionen verteuerten oder verzögerten. Aus Sicht der Unternehmen beeinflussen solche Belastungen auch die Entscheidung, ob neue Kapazitäten in Frankreich oder an einem ausländischen Standort entstehen.
Eng damit verbunden ist die Forderung nach einer neuen Industriepolitik. Als wesentliche Standortfaktoren nennt der Medef verfügbare Flächen, planbare Energiepreise, ausreichend Fachkräfte und zügige Genehmigungsverfahren. In einer früheren Veröffentlichung hatte der Verband darauf verwiesen, dass Frankreich 2024 und 2025 unter dem Strich erneut Industriestandorte verloren habe. Die Forderungen reichen damit über bloße Steuersenkungen hinaus: Sie betreffen auch Infrastruktur, Energieversorgung, berufliche Qualifizierung und die Dauer behördlicher Verfahren.
Bei der Abschlussrunde sollen Gabriel Attal, Raphaël Glucksmann, Marine Le Pen, Jean-Luc Mélenchon, Édouard Philippe, Bruno Retailleau und Marine Tondelier über Steuerpolitik, Industrie, Energie und Investitionsbedingungen sprechen. Der Medef verschafft seinen wirtschaftspolitischen Positionen damit bereits deutlich vor der Wahl eine öffentliche Bühne. Maßgeblich für die Aussagekraft der Konsultation bleibt ihr Charakter als Verbandsinitiative: Befragt wurden Unternehmensleitungen, deren Interessen der Medef vertritt.
Quellen
- Franceinfo: Bericht zur OpinionWay-Konsultation im Auftrag des Medef
- Medef: Nationale Konsultation zur Präsidentschaftswahl 2027
- Medef: La REF 2026
- Medef: Abschluss der nationalen Unternehmerkonsultation
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).