Kultur

François Cheng schreibt über Trauer, Alzheimer und Victor Hugo

In seinem neuen Buch verbindet der 97-jährige François Cheng die Erinnerung an seine verstorbene Frau mit einer persönlichen Lektüre Victor Hugos.

Paris – 04.09.2026: François Cheng hat mit 97 Jahren ein Buch veröffentlicht, das literarische Betrachtung und persönliche Trauerarbeit miteinander verbindet. In "On aurait pu se rencontrer" erinnert sich der Schriftsteller und Angehörige der Académie française an seine 2024 verstorbene Frau, die an Alzheimer erkrankt war. Zugleich nähert er sich Victor Hugo, dessen Werk ihm zum Bezugspunkt für Fragen nach Liebe, Verlust und Tod wird.

Der Titel geht auf einen Satz seiner Frau zurück. In einer Phase der Erkrankung, als sie ihren Mann nicht mehr erkannte, sagte sie zu ihm, sie hätten einander begegnen können. Cheng nimmt diese erschütternde Verschiebung von Nähe und Fremdheit zum Ausgangspunkt für einen Text, der autobiografische Erinnerungen, Gedichte und philosophische Überlegungen zusammenführt. Der Verlag Albin Michel beschreibt das Werk als Meditation über Krankheit und Abschied.

Cheng berichtet dabei nicht aus medizinischer Perspektive. Ihn beschäftigt, was von einem gemeinsamen Leben bleibt, wenn das Gedächtnis eines Menschen schwindet und vertraute Beziehungen ihre Selbstverständlichkeit verlieren. Die Alzheimer-Erkrankung erscheint als konkrete Erfahrung eines Ehepaars: als langsamer Verlust von Wiedererkennen, Sprache und geteilter Erinnerung. Der Autor versucht, diese Erfahrung in Worte zu fassen, ohne sie auf eine allgemeine Botschaft zu verkürzen.

Eine zentrale Rolle spielt Victor Hugo. Cheng verknüpft seine Trauer mit dem Verlust von Hugos Tochter Léopoldine, die 1843 bei einem Bootsunglück auf der Seine starb. Ihr Tod prägte Hugos Gedichtsammlung "Les Contemplations". Dessen Verse eröffnen Cheng einen literarischen Raum, in dem privates Leid, Erinnerung und die Grenze zwischen Leben und Tod aufeinander bezogen werden können.

Den Anstoß für diese Verbindung gab nach Angaben des Verlags ein Gemälde von Léopoldine Hugo, einer Nachfahrin des Schriftstellers. Es zeigt die Seine bei Villequier, wo Hugos Tochter ums Leben kam. Das Bild führt Cheng zurück zu der Frage, wie Kunst einen Verlust bewahren kann, ohne ihn zu erklären oder zu beschönigen.

François Cheng wurde 1929 in China geboren und kam 1948 nach Frankreich. Bekannt wurde er als Dichter, Romancier, Essayist und Kalligraf sowie als Vermittler zwischen chinesischer und französischer Literatur. Für seinen Roman "Le Dit de Tianyi" erhielt er 1998 den Prix Femina; 2002 wurde er in die Académie française aufgenommen.

"On aurait pu se rencontrer" erschien Ende August 2026 bei Albin Michel. Cheng führt darin seine langjährige Beschäftigung mit Poesie und Spiritualität fort, verankert sie diesmal jedoch in der Geschichte seiner Ehe und in der Erinnerung an eine Frau, deren Krankheit das gemeinsam Erlebte zunehmend unzugänglich machte.

Quellen

  • Franceinfo
  • Verlag Albin Michel
  • Académie française
  • Hachette Livre

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels

Geräteansicht