Kultur

Das Phantom der Oper kehrt ins Kino und auf die Bühne zurück

Gaston Lerouxs berühmte Geschichte wird in Paris gleich zweimal neu erzählt: Alexandre Castagnettis Film startet am 28. Oktober, eine Musicalfassung läuft bereits im Théâtre du Gymnase.

Paris – 24.10.2026: Das Phantom der Oper ist wieder da, und es bewegt sich derzeit auf zwei Wegen durch Paris: als zeitgenössischer Kinofilm und als neue Musicalfassung. Alexandre Castagnettis Verfilmung mit Deva Cassel, Julien de Saint Jean und Romain Duris kommt am 28. Oktober in die französischen Kinos. Seit dem 8. Oktober läuft zudem Benoît Solès' Bühnenadaption im Théâtre du Gymnase Marie-Bell.

Castagnetti verlegt den Stoff in die Gegenwart, ohne seinen schaurig-romantischen Kern preiszugeben. Seine Heldin Anastasia ist eine junge Tänzerin, die an der Pariser Oper engagiert wird und für die Aufführung eines angeblich verfluchten Werks probt. Ein geheimnisvoller Pianist, unerklärliche Zwischenfälle und eine unmögliche Liebe führen sie in jene Grauzone, in der Wirklichkeit und Fantastik einander berühren.

Der Film ist keine Adaption des bekannten Musicals von Andrew Lloyd Webber, sondern eine eigenständige Neudeutung von Gaston Lerouxs 1910 erschienenem Roman. Die Musik bleibt dennoch prägend: Sie strukturiert die Welt der Figuren und macht die Oper zum Resonanzraum für Begehren, Ehrgeiz und Angst. Mit 134 Minuten Laufzeit setzt die Produktion auf jenes große melodramatische Format, das den Stoff seit mehr als einem Jahrhundert begleitet.

Auf der Bühne des Théâtre du Gymnase rückt Benoît Solès die Geschichte wieder näher an ihren historischen Pariser Schauplatz. Sein Musical mit Liedtexten von Pierre-Yves Lebert und Musik von Marc Demais versammelt Christine Daaé, den maskierten Erik, Raoul de Chagny und die Leitung eines Opernhauses, das seine Geheimnisse lieber verwaltet als versteht. Bastien Jacquemart spielt das Phantom, Maélie Zaffran übernimmt die Rolle der Christine.

Die anhaltende Wirkung der Erzählung verdankt sich auch ihrem Schauplatz. Leroux gab dem Palais Garnier ein zweites, dunkleres Leben. Tatsächliche Vorfälle und Gerüchte aus dem Opernhaus flossen in die literarische Legende ein, darunter ein tödlicher Unfall mit einem Gegengewicht des großen Kronleuchters im Jahr 1896. Aus Nachrichten und architektonischen Besonderheiten wurden verborgene Gänge, Schatten und ein unterirdischer See für die Einbildungskraft.

Im Roman ist Erik weder bloßes Gespenst noch eindimensionales Monster. Er ist ein verletzter Musiker und Manipulator, dessen Liebe in Besitzanspruch umschlägt. Diese Ambivalenz bewahrt die Figur vor dem Maskenball. Sie erlaubt heutigen Bearbeitungen, von Ausgrenzung, Gewalt und dem Preis künstlerischer Bewunderung zu erzählen, ohne den Schauder der Vorlage aufzugeben.

So erweist sich der Pariser Mythos erneut als wandlungsfähig: Im Film wird das Phantom zum rätselhaften Pianisten der Gegenwart, auf der Bühne bleibt es eine Gestalt aus Samt, Kellergewölben und großen Stimmen. Das Théâtre du Gymnase zeigt die Musicalfassung bis zum 17. Januar 2027; Castagnettis Film startet am 28. Oktober 2026.

Quellen

  • Franceinfo
  • SND Films
  • Atelier Théâtre Actuel
  • Opéra national de Paris
  • Bibliothèque nationale de France

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels

Geräteansicht